Heinz Sichrovsky zum Tod Rudolf Leopolds

Ein Besessener, der bekam, was er wollte. PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Heinz Sichrovsky zum Tod Rudolf Leopolds © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

Ja, er war ein großer Mann. Und ja: Ich habe ihn geschätzt. Dass es ihm schlecht ging, war mir klar, als ich vor drei Wochen zum letzten Mal mit ihm telefonierte. Wir sprachen über Otto Mühls Ausstellung im Leopold Museum. Akustisch war er kaum zu verstehen, aber die Botschaft war klar: „Ich bin ohne jede Konvention“, sagte Rudolf Leopold. „Wenn mich etwas künstlerisch interessiert, gehe ich dem nach.“

So war er: ein Versessener, der bekam, was er wollte, und dem Wollen wie der Versessenheit vieles unterordnete. Auch die eigene Reputation, die absackte, als er nach der Beschlagnahme zweier Werke Schieles wie ein Ariseur geschmäht wurde. Das war er mit Sicherheit nicht. Bei Hitlers Einmarsch war er 13, und als er nach dem Krieg mit ingeniösem Gespür zu sammeln begann, war das von ihm als singulär Diagnostizierte nichts wert. Fast alles, was ihm angelastet wurde, hatte er aus damals unverdächtiger Quelle bezogen. Dass er es auch im Lichte neuer Erkenntnisse nicht wieder hergeben wollte, war schwer zu ertragen und kennzeichnete ihn ganz. Die Machtverhältnisse in der Stiftung ändern sich nach seinem Tod: Der Bund hat dort die Mehrheit, und mancher würde das Museum gern liquidieren und die Sammlung anderen zuschlagen. Das zu verhindern sollte, auch im Hinblick auf seine großartige Frau, ein Teil unseres wertschätzenden Gedenkens sein.

Heinz Sichrovsky

sichrovsky.heinz@news.at