Spitzentöne von

Lob des alten Sommertheaters

Heinz Sichrovsky © Bild: News

Als ich – Details zur Zeit der Handlung ersparen Sie mir – den Beruf des Theaterkritikers ergriffen habe, verkörperte der Begriff „Sommertheater“ eine libidominimierende Einnahmequelle für zeilenhonorarabhängige Schreibknechte.

Während sich die Branchenplatzhirsche in Salzburg vor ihresgleichen blähten, beobachtete unsereins verbittert, wie sich vorhersagbar kostümierte Kleindarsteller zweiter und dritter Wiener Häuser für die restjährig erlittenen Demütigungen an Shakespeare und Nestroy schadlos hielten.

Heute haben sich die Besitzstände aufgelöst, man kann in Freistadt interessanteres Theater sehen als in Salzburg. Es gibt aber auch noch das alte Sommertheater, das mit den Kniebundhosen und farbenfrohen Umhängen. Und ich bin gesonnen, dem Attribut „alt“ das Geschwister „gut“ zuzuerkennen.

Begonnen hat dieser Wandel vor Jahren, als ich mit meiner damals volksschulpflichtigen Tochter nach Baden fahren musste, um ihr die Oper „Hoffmanns Erzählungen“ zu zeigen. Das Werk stand zwar auch auf dem Spielplan der Volksoper, aber die dortige Inszenierung gehorchte einer wirren Farbensymbolik. Keine Spur von den Angstvirtuositäten der Schwarzromantik. Und ich wollte ja meine Tochter für die Oper begeistern, keinen Entwöhnungsprozess in Gang setzen. Seither grüble ich über Grundsätzliches.

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