Heinz Sichrovsky über die Rettung des Café Museum

Jetzt ist es bereit für eine neue Ära PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Heinz Sichrovsky über die Rettung des Café Museum © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

Dort, wo früher der Stammtisch war, ist jetzt die Tortenvitrine. Das ist schade, denn an diesem Platz bündeln sich die Erinnerungen an Wolfgang Bauer und Joe Berger, die im Café Museum ihren Wiener Wohnsitz genommen hatten wie zuvor ­Joseph Roth, Karl Kraus und Alban Berg. Doch macht die Patisserie den Unsterblichen keine Schande, und die Wiedereröffnung ist eine Kulturtat, für die man dem Gastronomen Querfeld zu danken hat.

Eine Zeitlang schien es, als würde es nichts mehr mit dem „Museum“, das anno 2003 einem unter Parvenus verbreiteten Missverständnis zum Opfer gefallen war: Die Nachbildung des von Adolf Loos gestalteten Erst-Interieurs aus dem Jahr 1899 erbrachte Kitsch wie die Mona-Lisa-Kopie aus dem Bilderhaus Otto, das Sisi-Diadem aus Glas oder die drohende Wiedererstehung des Berliner Stadtschlosses in Gussbeton. Walter Benjamin hat die nur dem Original eigene Aura als Begriff in die Kunstphilosophie eingebracht – das in Scheußlichkeit ­erstrahlende „Museum“ wurde alsbald von jedermann gemieden. Querfeld übernahm das schon geschlossene Lokal und ließ die vertraute rote Ausstattung aus den Dreißigerjahren zitieren, ohne sie zu imitieren. Jetzt ist das „Museum“ wieder offen, ­besucht und bereit für eine neue Aura.

Heinz Sichrovsky

sichrovsky.heinz@news.at