Heinz Sichrovsky über einen Morgen mit Franz Welser-Möst

Das Beste wäre, er inszenierte selbst PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Heinz Sichrovsky über einen Morgen mit Franz Welser-Möst © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

Dreizehn Stunden nach Ende der „Don Giovanni“-Premiere hatten drei Opernkritiker den Dirigenten Franz Welser-Möst in Geiselhaft, zwei wütende (Gert Korentschnig und Franz Zoglauer) und ein unbegeisterter (der Verfasser dieser Zeilen). Immerhin war man sich während der von NEWS initiierten Diskussion im Mozart-Haus einig, dass der Staatsopern-Generalmusikdirektor die Chose nicht verschuldet, sondern gerettet hatte.

Riccardo Muti hätte dirigieren sollen und empfahl sich, als Bühne, Regie, Besetzung schon festgelegt waren. Der Chef gab „die Feuerwehr“, wie er selbst ausführte. Natürlich haben wir viel zu lang über die Regie diskutiert. Ich selbst nehme sie nicht mehr so wichtig und sitze am liebsten in der Seitenloge mit Blick ins Orchester, wo die Abenteuer toben. Der Regisseur – ob radikales Genie wie Konwitschny oder altphilologisch gebil­deter Flohmarktbetreiber wie der für „Giovanni“ zuständige Jean-Louis Martinoty – wird in Wien ohnehin ausgebuht, zur Strafe für die Berufswahl. Am besten, Welser-Möst inszenierte selbst, empfahl Ko­rentschnig unter dem Eindruck der fulminanten kulturhistorischen Kenntnisse des ­Maestros. Das Problem ist: Der Mann tut nur, wovon er etwas versteht. Womit er in mancher Produktion allein dasteht.

Heinz Sichrovsky

sichrovsky.heinz@news.at