Heinz Sichrovsky über Helmut Qualtinger. Wovor er uns warnte

Wir waren seit längerem verabredet, und als er begriff, dass die Zeit zur Einlösung knapp wurde, ließ er mich an sein Sterbebett ins Allgemeine Krankenhaus rufen. Am 16. September 1986 gab mir Helmut Qualtinger, ein Mann mit Handschlagqualität, das letzte Interview seines Lebens. Der Körper hatte die Maßnahmen gegen die Leberzirrhose schon fast eingestellt, und die Stimme war so schwach, dass sie vom Tonband kaum aufgenommen wurde. Aber ein paar Tage zuvor hatte sich in Innsbruck Jörg Haider mit Bier und Gloria zum freiheitlichen Parteichef geputscht, und diesem Ereignis galt Qualtingers sorgenvolles Interesse. „Da ist mir kalt geworden“, sagte er. „Da haben sie aus Oberösterreich jenen Mann nach Kärnten exportiert, von dem sie wissen, dass er dort die stärksten einschlägigen Emotionen vorfinden und auslösen kann.“

Zwei Wochen minus ein Tag nach dem Gespräch war Qualtinger tot. Haider aber, der mittlerweile die staatstragende Variante rechtsradikaler Wirtshausrauferei zum Patent angemeldet hat, gilt selbst in den Linksparteien als vorstellbarer Koalitionspartner. Autoritäten, die Widerspruch einlegen könnten, gibt es nicht mehr. Bruno Kreisky, Erich Fried, Erwin Ringel, Simon Wiesenthal und George Tabori sind Helmut Qualtinger hinterhergestorben. Der würde in diesen Tagen achtzig und fehlt mir sehr.