Heinz-Christian Strache: NR-Wahl als echte Bewährungsprobe für den Ober-Blauen

Strache stilisiert sich im Wahlkampf als Alleinkämpfer FPÖ-Chef präsentiert sich als Anwalt der Kleinen

Die erste Bewährungsprobe hat der junge FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache im Vorjahr in der angesichts der Ausgangslage äußerst erfolgreich geschlagenen Wien-Wahl bestanden. Wirklich ernst wird es für den 37-jährigen Wiener aber erst bei der bevorstehenden Nationalratswahl. Am ersten Oktober wird sich nicht nur seine politische Karriere, sondern die Zukunft der ganzen Partei entscheiden. Kommt die FPÖ ins Parlament und das BZÖ nicht, ist das Bündnis zumindest auf Bundesebene wohl Geschichte. Im umgekehrten Fall werden die Orangen wohl die Blauen schlucken.

Das "Blaue Wunder", wie die FPÖ die fast 15 Prozent bei der Wiener Wahl 2005 selbst bezeichnet, war Straches größter politischer Erfolg und gleichzeitig hilfreich für den Heilungsprozess in der FPÖ nach der Spaltung im Frühjahr davor. Der Erfolg der FPÖ und die vernichtende Niederlage des BZÖ in Wien, das mit nur 1,2 Prozent sogar noch hinter der KPÖ landete, dürfte auch manchen unentschlossenen Funktionären damals die Entscheidung zwischen blau und orange erleichtert haben.

Für Strache war diese Wahl eine Verfestigung als Parteiobmann und ein klarer Sieg gegen das einstige Vorbild Jörg Haider, als dessen Kopie Strache immer wieder bezeichnet wird. Auch für den kommenden Urnengang hat sich der Rechtsausleger in alter Tradition voll und ganz auf die Oppositionsrolle festgelegt. Und das kann Strache: Er spricht frei und eindringlich und scheut Populismus nicht.

Dem Wahlvolk präsentiert sich der Selbstverkäufer gern als junger und dynamischer Anwalt der Kleinen. Auf seiner Homepage kämpft er in einem Comic als "HC-Man" gegen "Luxusgenossen" und einen pummeligen Bürgermeister und "rettet" den Stephansdom vor einem Umbau in eine Moschee. Der gelernte Zahntechniker sieht ja sein Wählerpotenzial nicht zuletzt bei Jungen und Arbeitern.

Doch auch die traditionellen Kreise in der FPÖ stehen hinter Strache. Er ist Mitglied der deutschnationalen schlagenden Burschenschaft Vandalia und sorgte in dieser Rolle für viel Spott, als er 2004 einen Salzburger Arzt zu einer Art "Duell" herausforderte.

Strache galt lange Zeit als Nachwuchshoffnung der FPÖ. Im März 2004 kam dann der erste große Karrieresprung: der damals 34-Jährige folgte Hilmar Kabas als FP-Landesparteiobmann in Wien. In seinen thematischen Schwerpunkten zeigte sich Strache immer auf traditioneller FPÖ-Linie mit den Schwerpunkten Ausländer, Asyl und Kriminalität. In dieses Bild passten auch die Plakate, auf denen er mit dem Slogans wie "Wien darf nicht Istanbul werden" und "Deutsch statt 'Nix versteh'n'" warb. Von Seiten der politischen Gegner, aber auch von Religionsvertretern brachte ihm dies den Vorwurf des Rassismus und der Islamfeindlichkeit ein.

Geboren wurde Strache am 12. Juni 1969 in Wien. Nach Abschluss seiner Lehre wurde er 1991 mit nur 21 Jahren Bezirksrat. Zwei Jahre später gründete er sein Dental-Labor, im selben Jahr wurde er FPÖ-Bezirksobmann in Wien-Landstraße. 1996 kam er in den Wiener Gemeinderat, 1999 war er Landeswahlleiter im Nationalratswahlkampf. Im Jahr 2001 wurde Strache stellvertretender Klubobmann im Rathaus, 2002 Landesobmann-Stellvertreter. Im März 2004 folgte er Hilmar Kabas in der Funktion als Wiener Landesparteiobmann nach. Die Obmannschaft in der FPÖ musste er nach der Abspaltung der damaligen Spitzenmannschaft im April 2005 wohl oder übel übernehmen.

Strache ist Vater von zwei Töchtern und zwei Söhnen. Von seiner aus der Gastronomen-Familie Plachutta stammenden Frau Daniela ist er frisch geschieden. Viel Wert legt Strache auf körperliche Ertüchtigung. Zu seinen Hobbys zählt Kung-Fu. (apa)