Menschen von

Aus dem Reich der Verdrängung

Hallervorden: Hitler’scher Anschluss-Slogan bei "Romy" erregte helle Empörung

Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS

Mit der "Sissi"-Trilogie schlug der Regisseur Ernst Marischka in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts einen Bogen, wie man ihn bis dahin selbst in Österreich nicht gekannt hatte: Ein halbes Jahrhundert der Weltuntergänge und Entmenschungen war für gegenstandslos erklärt unter der harmonisierenden Urgewalt der geschichtsfälschenden Idylle. Die Titeldarstellerin Romy Schneider, deren Eltern im Nazi-Reich schöne Karrieren konsumiert hatten, rebellierte bis an das tragische Ende ihres Lebens gegen die damals erlangte Prominenz.

Nun dankte der ehemalige deutsche Klamaukkomiker Dieter Hallervorden mit ungelenken Worten für den nach ihr benannten Filmpreis "Romy": Er werde die Pretiose "heim ins Reich" verbringen, mümmelte der betagte Herr, der sich zuletzt eine Karriere im tragischen Fach aufbauen konnte. Der Gebrauch des Hitler'schen Anschluss-Slogans erregte helle Empörung.

Hallervorden selbst stellte fest, er habe gegen die österreichische Verdrängermentalität vorgehen wollen. Das scheint gerade im Misslingen glaubhaft: Der elegante Zwischenton war ja nie sein Instrument (obwohl er sich, verglichen mit Nachfolgern wie Stefan Raab, retrospektiv wie ein Altmeister der geschliffenen Pointe ausnimmt). Insgesamt zeigt die Erregung den zusehends ratlosen Umgang mit politischer Provokation. Die gegenständliche war, keine Frage, von bescheidenem Format. Aber immerhin redet man wieder davon, dass zwischen Habsburg und der Zweiten Republik noch etwas war.

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