Heftige Gefechte im Norden des Libanons: Militär hält sich aus Feindseligkeiten heraus

Sunnitische Anhänger gegen schiitische Hisbollah 22-Jähriger getötet und 24 Personen bereits verletzt

Heftige Gefechte im Norden des Libanons: Militär hält sich aus Feindseligkeiten heraus

Im Nordlibanon haben sunnitische Anhänger der pro-westlichen Mehrheitskoalition alawitischen Gefolgsleuten der schiitischen Hisbollah heftige Gefechte geliefert. Ein 22-jähriger Mann wurde getötet, mindestens 24 Personen erlitten Verletzungen, wie die Sicherheitskräfte mitteilten.

Die Kämpfe begannen am Nordrand der Küstenstadt
Tripoli, der zweitgrößten Stadt des Landes. Sie ebbten nach Angaben aus Sicherheitskreisen mittlerweile ab. Die multikonfessionellen libanesischen Streitkräfte, die nicht eingriffen, entsandten zusätzliche Soldaten in das Krisengebiet.

Dem eigenen Schicksal überlassen
Augenzeugen in der überwiegend von Sunniten bewohnten Stadt mit christlich-maronitischem und schiitischem Hinterland berichteten zunächst, die libanesische Armee habe wegen der gefährlichen Lage gedroht, sich aus dem Gebiet zurückzuziehen, und die Konfliktparteien damit sozusagen ihrem Schicksal überlassen.

Ziele der Sunniten
Die Sunniten sind mehrheitlich gegen syrische Einflussnahme im Libanon, die Alawiten stehen Syrien traditionell nahe. Syrien hatte in den libanesischen Bürgerkrieg (1975-90) eingegriffen und die Rolle einer Ordnungsmacht übernommen. Nach der Ermordung des Sunnitenführers und Ex-Regierungschefs Rafik Hariri im Februar 2005, für die der syrische Geheimdienst verantwortlich gemacht wurde, kam es zur "Zedernrevolution" und zum Rückzug der syrischen Truppen aus dem Libanon.

Siniora-Beschluss
Anfang Mai hatte der Beschluss der pro-westlichen Rumpfregierung von Premier Fouad Siniora, das Telefonnetzwerk der Hisbollah zu kappen und Hisbollah-nahe Funktionäre abzuberufen, schwere Kämpfe ausgelöst. Die Schiitenmiliz eroberte im Handstreich sunnitische und drusische Gebiete, dabei waren 82 Menschen getötet worden. Die Armee war nicht eingeschritten. Die Konfliktparteien hatten sich daraufhin nach Verhandlungen unter Schirmherrschaft der Arabischen Liga in Katar auf die Wahl von Armeechef General Michel Sleimane zum Staatspräsidenten und auf die Bildung einer Allparteienregierung geeinigt. Die Verhandlungen über die Zusammensetzung dieser Regierung der nationalen Einheit sind inzwischen allerdings festgefahren.

Seligsprechung eines Kapuzinerpaters
Zehntausende Libanesen mit Präsident Sleimane an der Spitze haben in Beirut der feierlichen Seligsprechung des vor 54 Jahren verstorbenen Kapuzinerpaters Jacques Haddad beigewohnt. An der Seite des christlich-maronitischen Staatsoberhauptes waren auch der sunnitische Regierungschef Siniora und der schiitische Parlamentspräsident Nabih Berri bei der Zeremonie im Zentrum der Hauptstadt anwesend. Die Seligsprechung verkündete Kurienkardinal José Saraiva Martins im Auftrag von Papst Benedikt XVI. und im Beisein des maronitischen Patriarchen Kardinal Nasrallah Boutros Sfeir. Der Seligsprechungsprozess für den 1875 geborenen Gründer des Ordensgemeinschaft der "Franziskanerinnen vom Kreuz des Libanon" war 1992 eingeleitet worden. Haddad genoss hohes Ansehen als Prediger und setzte sich besonders für Arme, Kranke und Behinderte ein. Der Papst hatte zuletzt betont, der Libanon müsse für den Nahen Osten und die Welt ein Zeichen bleiben, dass ein friedliches und konstruktives Zusammenleben verschiedener Religionsgruppen möglich sei.

Chirac boykottiert Nationalfeiertag
Frankreichs Ex-Präsident Jacques Chirac will wegen der von seinem Nachfolger Nicolas Sarkozy an den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad gerichteten Einladung die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am 14. Juli boykottieren. Das berichtete der Rundfunksender RTL auf seiner Internetseite. Chirac stand dem ermordeten libanesischen Ex-Premier Hariri nahe. Assad wird wie die anderen Spitzen der Mittelmeeranrainerstaaten am 13. Juli zum EU-Mittelmeergipfel in Paris erwartet. Sarkozy hat die Teilnehmer auch zur traditionellen Militärparade auf den Pariser Champs-Elysées eingeladen. Nach Informationen der regierungsnahen Pariser Zeitung "Le Figaro" möchte er dabei einen "historischen Händedruck" zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert und Assad herbeiführen.

(apa/red)