Hausdurchsuchung im "Fall Hirtzberger":
Gegenstände für die Analyse sichergestellt

Anwalt befürchtet Vorverurteilung seines Mandanten Für Bruder des Opfers ist "Belastung weggefallen"

Hausdurchsuchung im "Fall Hirtzberger":
Gegenstände für die Analyse sichergestellt © Bild: APA/Fohringer

Im Fall des am 9. Februar vergifteten Spitzer Bürgermeisters Hannes Hirtzberger sind Gegenstände auf dem Anwesen des hauptverdächtigen Helmut Osberger, für den die Unschuldsvermutung gilt, sichergestellt worden. Diese werden nun an ein chemisches Labor zwecks Analyse übermittelt, berichtete Oberst Ernst Schuch vom Landeskriminalamt Niederösterreich (LK NÖ) der APA. Kurt Wolfmair, Anwalt Osbergers, sah seinen Mandanten unterdessen vorverurteilt.

Schuch benannte die sichergestellten Gegenstände des Restaurants samt Vinothek "Klosterhof" in Spitz an der Donau (Bezirk Krems) nicht näher, da nun auch die Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen betraut sei. Meldungen, wonach Einwegspritzen gefunden worden seien, bestätigte Schuch im APA-Gespräch nicht. Im Zusammenhang mit den Gegenständen - Experten der Tatortgruppe befanden sich weiterhin auf dem Anwesen des Hauptverdächtigen - solle nun eruiert werden, ob bei diesen ein Bezug zur Tat hergestellt werden könne. Möglicherweise würden sich im Zuge der Analyse Anhaftungen von Strychnin finden lassen.

DNA-Test entlarvt Verdächtigen
Der Hauptverdächtige wurde in Haft genommen, da die DNA-Spur des Mannes mit jener auf der Grußkarte identisch gewesen sei, die der Lokalpolitiker und Rechtsanwalt Hirtzberger am Abend des 8. Februars zusammen mit einer mit Strychnin versetzten Praline auf seinem Wagen gefunden hatte. Schuch erläuterte, dass beim DNA-Vergleich "alle elf Merkmale" übereingestimmt hätten. Das Ergebnis sei eindeutig. Die Chance, dass die DNA noch einer zweiten Person zuzuordnen sei, stehe damit bei eins zu mehreren Milliarden, berichtete Reinhard Schmid, Leiter des Büros für Zentralen Erkennungsdienst im Bundeskriminalamt (BK).

Ermittlungen im Umfeld Osbergers
Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Befragungen. Ermittelt wurde im Umfeld des Tatverdächtigen, so Schuch. Er schloss nicht aus, dass sich nun, nach der Verhaftung des knapp 56-Jährigen, Leute melden und Hinweise geben bzw. relevante Aussagen treffen könnten. Unterdessen empfing Landeshauptmann Erwin Pröll das erfolgreiche Ermittlungsteam in dem Fall.

Anwalt sieht Mandanten vorverurteilt
Wolfmair gegenüber habe Osberger "konkrete Angaben" gemacht, wo er zu jener Zeit am 8. Februar gewesen sei, als Hirtzbergers Pkw vor dem Spitzer Gemeindeamt geparkt war. Auch liege Wolfmair noch kein schriftliches DNA-Gutachten vor, meinte der Jurist aus Linz im APA-Gespräch. Dass dieser kein stichhaltiges Alibi vorweisen könne, sei "unrichtig". Osberger habe ihm gegenüber "plausibel dargestellt", was er in diesem Zeitraum gemacht habe: Demnach habe er sein Anwesen gegen 16.00 Uhr verlassen, um ein Damen-Seiden-Nachthemd zu kaufen. Gegen 18.00 Uhr sei er wieder zu Hause gewesen, weil da sein Sohn gekommen sei, so der Anwalt. Bis etwa 20.00 Uhr, möglicherweise 20.30 Uhr, habe Osberger seinem Sohn zunächst einen Brief diktiert und danach mit ihm gesprochen. Osbergers Sohn sei dann zu einer Aufführung einer Tanzgruppe gefahren, meinte Wolfmair.

Unrichtige Angaben
Angaben, wonach Osberger die Umwidmung eines Weingartens in Bauland beantragt habe, um dort ein Thermalhotel zu errichten, revidierte Wolfmair. Der knapp 56-Jährige habe sein Grundstück an potenzielle Investoren verkaufen wollen, die ihrerseits diese Pläne realisieren hätten können. Es gab bzw. besteht laut dem Verteidiger dafür "viel Interesse", dieses Projekt sei auch "nicht vom Tisch". Osberger habe "selbst nie" eine Hotelanlage bauen wollen. Zu den sichergestellten DNA-Spuren hielt der Jurist fest, dass keine auf der Praline gefunden worden wären. "Nur eine einzige" auf "dem gesamten Billett", so der Jurist.

Für Bruder des Opfers ist "Belastung weggefallen"
Für Christian Hirtzberger, ein Bruder des vergifteten Spitzer Bürgermeisters Hannes Hirtzberger, sei eine "Belastung weggefallen". Jedoch sehe er auch die Angehörigen des Beschuldigten als Opfer. Man müsse sich einmal in deren Lage versetzen, so Christian Hirtzberger. Für die Familie Hirtzberger sei zudem immer der Gesundheitszustand von Hannes im Vordergrund gestanden: "Wir beten und hoffen", so der Jurist zur APA.

(apa/red)

Hirtzberger hielt fest, seinem Bruder Hannes sei die Tat für "pflichtgemäßes Handeln angetan" worden. Dieser habe sich dem Bauprojekt von Helmut Osberger nicht verschlossen gehabt, jedoch nur wenn dieses auch "Hand und Fuß" gehabt hätte. Es sei schließlich seine Aufgabe als Bürgermeister, "zu schauen, dass Regeln eingehalten werden".

Hannes Hirtzberger hatte am 9. Februar von einer Praline gegessen, der Strychnin beigefügt war. Der Zustand des 55-Jährigen ist nach wie vor ernst, er liegt im Krankenhaus Krems im künstlichen Tiefschlaf.