'Hatte trotz schwerer Zeit keine schlaflosen Nächte': Head-Chef Eliasch im Interview

90% der Tennis-Racket-Produktion nach China

Format: 2004 hat Head noch 36,9 Millionen Dollar Verlust geschrieben, 2005 standen acht Millionen Dollar auf der Haben-Seite, Ihre Aktionäre durften sich über eine saftige Sonderdividende freuen. Wie haben Sie den Turnaround geschafft?

Eliasch: Durch weit reichende Kostensenkungsmaßnahmen. Es wurden etwa neunzig Prozent der Tennis-Racket-Produktion von Österreich und Tschechien nach China verlagert.

Format: In Österreich sind im Vorjahr plötzlich 120 Mitarbeiter auf der Straße gestanden. Was bedeutet das für Sie?

Eliasch: Es macht mich traurig, Leute zu feuern. In diesem Fall habe ich es sogar zehn Jahre hinauszögern können. Aber manchmal ist es aus Kostengründen einfach notwendig.

Format: Die Frage ist, ob diese Entlassungen langfristig von Vorteil sind. Experten sagen, der chinesische Yuan sei weiterhin kräftig am Zulegen, was Ihrem Business enorm schaden dürfte.

Eliasch: Das ist tatsächlich ein großes Problem. Denn mittlerweile ist es nicht mehr von finanziellem Vorteil, in Osteuropa zu produzieren, wo die Arbeitskräfte schon ziemlich teuer sind. In China sind sie noch um etwa achtzig Prozent billiger als in Westeuropa, doch in nur fünfzig Jahren werden sie dort genauso viel kosten. Was wir dann machen werden, steht in den Sternen.

Format: Osteuropa ist für Sie in den letzten Jahren zu einem wichtigen Markt geworden.

Eliasch: Ja, denn die Menschen dort verdienen immer besser, am russischen Markt etwa machen wir im Tennis-und Skisport bereits gute Geschäfte.

Format: Die zunehmende Branchenkonsolidierung soll Ihnen schwer zusetzen. 2004 hat der US-Konzern K2 die Marken Völkl und Marker gekauft, 2005 übernahm der amerikanische Riese Quicksilver den Weltmarktführer Rossignol. Ist, wenn es so weitergeht, ein Verkauf von Head realistisch?

Eliasch: Das ist alles blödes Gerede. Ich habe nie an einen Verkauf gedacht. Vor Großkonzernen habe ich kein Fünkchen Angst. Im Gegenteil: Mit unseren Innovationen können wir mithalten. Und schließlich geht es nicht um Größe, sondern um Köpfchen.

Format: Head soll von der New Yorker Börse genommen werden.

Eliasch: Es stimmt, dass wir darüber nachdenken. Bringt ein Börsenrückzug signifikante Kosteneinsparungen, dann machen wir es wahrscheinlich auch. Wir prüfen das gerade.

Format: Einerseits fahren Sie einen rigiden Sparkurs, andererseits buttern Sie horrende Summen ins Marketing.

Eliasch: Das war für den Erfolg der Sanierung wichtig. Es werben mittlerweile Stars wie Andre Agassi, Marat Safin oder Bode Miller für uns. Menschen brauchen Helden.

Format: Namen, die ein Vermögen kosten. Wie viel?

Eliasch: Billig sind diese Leute jedenfalls nicht.

Format: Es könnte Sie schon ziemlich bald nach Österreich ziehen. Wenn auch aus weniger erfreulichen Gründen. Gerade läuft dort ein Verfahren wegen Einkommensteuerhinterziehung gegen Sie. Es geht um einige hunderttausend Euro.

Eliasch: Der Fall grenzt fast schon ans Lächerliche und sollte bald im Sand verlaufen. Ich bin als Schwede nicht in Österreich steuerpflichtig und muss dort somit keine Abgaben leisten.

Format: Die letzten Jahre waren für Sie hart, das Unternehmen stand vor dem Aus. Hatten Sie schlaflose Nächte?

Eliasch: Ich hatte trotz schwerer Zeiten keine schlaflosen Nächte. Das passt nicht zu mir. Ich bin eine Kämpfernatur, und ich habe immer an den Erfolg von Head geglaubt.

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