Hatte McCain intime Affäre mit Lobbyistin?
Republikaner ortet eine 'Schmutzkampagne'

Kandidat betont im US-Wahlkampf moralische Werte Iseman sollte von öffentlichen Auftritten fern bleiben

Hatte McCain intime Affäre mit Lobbyistin?
Republikaner ortet eine 'Schmutzkampagne' © Bild: Reuters/Stapleton

Der aussichtsreichste Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur bei den Republikanern in den USA, John McCain, hat einem Bericht zufolge vor neun Jahren ein verfängliches Verhältnis mit einer Lobbyistin gepflegt. Wie die "New York Times" meldete, vertrat die Frau die Interessen der Telekommunikationsbranche. Mitarbeiter von McCain, der in seinem Wahlkampf moralische Werte betont, hätten ihn 2000 jedoch überzeugen können, die Beziehung zu beenden, da sie negative Folgen für seine politische Karriere fürchteten, berichtete die Zeitung.

McCains Wahlkampfmanagement wies den Bericht als falsch zurück und sprach von einer Schmutzkampagne. McCain wollte sich im Laufe des Donnerstags selbst zu den Vorwürfen äußern.

Bei der Lobbyistin handelte es sich laut der "New York Times" um die heute 40-jährige Vicki Iseman. McCains Mitarbeiter hätten befürchtet, die beiden hätten ein Verhältnis, und die Frau von ihm ferngehalten, um McCain "vor sich selbst" zu schützen, berichtete die Zeitung am Donnerstag. Beide Seiten hätten eine Affäre von sich gewiesen, McCains Mitarbeiter seien aber anderer Meinung gewesen, heißt es unter Berufung auf Wahlkampfhelfer von McCains erster Präsidentschaftskampagne im Jahr 2000.

Arbeitete als Lobbyistin
Dem Blatt zufolge arbeitete Iseman damals als Lobbyistin und hatte häufig mit McCain als dem Vorsitzenden des Handelsausschusses im US-Senat zu tun. Ende 1999 und Anfang 2000 sei sie häufig in seinen Büroräumen gewesen und habe seine Wahlkampfveranstaltungen besucht, mit McCain an einem Fundraising-Dinner im kleinen Kreis in Florida teilgenommen und sei später mit ihm im Privatjet eines Kunden nach Washington zurückgeflogen. "In der Überzeugung, dass die Beziehung romantisch geworden war, schritten einige seiner Top-Berater ein, um den Kandidaten vor sich selbst zu schützen", zitierte die Zeitung ehemalige Wahlkampfhelfer der damaligen Kampagne.

McCains Helfer hätten Anweisung bekommen, Iseman bei öffentlichen Auftritten von dem Politiker fernzuhalten und ihr nur noch eingeschränkt Zugang zu seinen Büroräumen zu gestatten, heißt es weiter. Zwei frühere Mitarbeiter hätten ihn mehrfach wegen der Angelegenheit konfrontiert. "Beide sagten, Herr McCain habe eingeräumt, sich unangemessen verhalten zu haben."

McCain sieht sich als Opfer
McCain sieht sich als Opfer einer Rufmord-Kampagne. "Ich bin sehr enttäuscht über den Artikel der 'New York Times', er ist nicht wahr", sagte der republikanische Senator. Er warf der Zeitung vor, mit der Veröffentlichung "eine Schmutzkampagne zu versuchen".

Seine Beziehung zu der Lobbyistin Vicki Iseman beschrieb McCain als rein freundschaftlich. "Ich habe sehr viele Freunde in Washington", sagte der Senator vor Journalisten. Iseman habe keinerlei Einfluss auf seine gesetzgeberische Arbeit gehabt. Das letzte Mal sei er der Lobbyistin "vor einigen Monaten" begegnet, sagte McCain. Er kritisierte, dass die "New York Times" ihre Angaben auf anonyme Quellen stütze. Die Zeitung habe seit Monaten immer wieder Fragen in der Angelegenheit an ihn gerichtet; er habe versucht, den Verdacht zu entkräften.

(apa/red)