Hass auf Rivalen fordert 350 Tote: Amnesty warnt vor mehr Gewalt unter Palästinensern

Bürgerkrieg mitten im dichtbesiedelten Wohngebiet Fatah & Hamas töten Gegner selbst im Krankenhaus

Hass auf Rivalen fordert 350 Tote: Amnesty warnt vor mehr Gewalt unter Palästinensern

Vier Monate nach den palästinensischen Bruderkämpfen im Gaza-Streifen hat amnesty international beiden Seiten schwere Verletzungen der Menschenrechte vorgeworfen. Sowohl die Fatah von Präsident Abbas als auch die Hamas habe die Zivilbevölkerung in ihren gewaltsamen Machtkampf hineingezogen, heißt es in einem neuen Bericht. Im ersten Halbjahr seien im Gaza-Streifen rund 350 Menschen getötet worden.

Seit die Hamas im Juni den Gaza-Streifen unter ihre Kontrolle gebracht habe, bediene sie sich immer häufiger willkürlicher Festnahmen und Folterungen, hieß es weiter. Aber auch im von der Fatah-Bewegung kontrollierten Westjordanland würden Hunderte Hamas- Anhänger willkürlich festgehalten, ohne dass die Abbas treuen Sicherheitskräfte etwas dagegen unternähmen, hieß es weiter. Sowohl die Führung der Palästinensischen Autonomiebehörde als auch der Hamas müssten unverzüglich diesen Teufelskreis durchbrechen, forderte amnesty.

Bürgerkrieg im Wohngebiet
Die Kämpfer beider Seiten hätten dicht besiedelte Wohngebiete zum Kriegsschauplatz gemacht, kritisierte amnesty. Wohnhäuser seien zu Kampfstellungen geworden. Der Hass auf die Rivalen habe selbst vor Patienten im Krankenhausbett nicht Halt gemacht. Der Bericht führt mehrere exemplarische Fälle auf. So wurde ein Kind auf dem Weg zu einem Süßigkeitengeschäft von den Splittern eines Geschoßes tödlich getroffen. Eine junge Frau wurde auf dem Weg zu einer Schulprüfung von einem Heckenschützen getötet. Und eine Demonstration gegen die Gewalt endete im Kugelhagel, der drei Teilnehmern das Leben kostete.

Die palästinensische Autonomieregierung unter Abbas verurteilte den Bericht. Minister Ashraf Ajrami sagte, die Fatah habe rechtmäßig gehandelt. Amnesty habe sich keine große Mühe gegeben, die Wahrheit herauszufinden. Hamas-Sprecher Taher al-Nuno sagte, seine Organisation habe handeln müssen, um das Chaos im Gaza-Streifen zu beenden. (APA)