Harte Worte am "Tag der Arbeit": 120.000 lassen bei SP-Aufmarsch die Sonne scheinen

"Sauhaufen": Häupl verärgert über BAWAG-Skandal<br>"Arbeiterverräter": Haider & Strache kritisieren ÖGB ÖVP schweigsam - PLUS: Die <b>BILDER</b> vom 1. Mai!

Die SPÖ durfte sich am 1. Mai - wie so oft - über Sonnenschein freuen, der traditionelle Maiaufmarsch in Wien wurde allerdings von der BAWAG-Affäre überschattet. Die Parteispitze sparte dabei nicht mit Selbstkritik: Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl sprach von einem "Sauhaufen", der beseitigt werden müsse. SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer kündigte an, mit den "Abzockern" aufräumen zu wollen. Der Skandal rund um die Gewerkschaftsbank war auch bei den 1.Mai-Veranstaltungen der anderen Parteien Hauptthema, einzig die ÖVP-Spitze gab sich schweigsam.

Die SPÖ gab sich vor den nach eigenen Angaben 120.000 Teilnehmern bei der Schlusskundgebung am Rathausplatz trotz oder gerade wegen des BAWAG-Debakels kämpferisch. Gusenbauer sagte der "menschenverachtenden Politik" des Neoliberalismus den Kampf an und verstreute für die Wahl im Herbst Optimismus: "Die Menschen in Österreich werden sich für ihre eigene Zukunft und gegen die Zukunft der ÖVP entscheiden."

ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer ging ausführlich auf den BAWAG-Skandal ein, der ihn auch beim anschließenden ÖGB-Präsidium am Nachmittag beschäftigte. Er forderte weitere "harte Konsequenzen" und kündigte eine "schonungslose" Aufarbeitung an - wobei er sowohl von "kriminell handelnden Managern" als auch von ÖGB-Funktionären sprach, die sich "sehr unwürdig" benommen hätten. Die Gewerkschaft sei nicht geschwächt: "Wir sind weiter kampf- und agitationsfähig."

Häupl: BAWAG-Skandal ein "Sauhaufen"
Den regen Zulauf am Rathausplatz bezeichnete "Gastgeber" Bürgermeister Häupl als "Antwort auf das hämische schadenfreudige Grinsen mancher Reaktionäre in dieser Stadt". Den BAWAG-Skandal wollte er aber nicht schönreden und sprach gleich von einem "Sauhaufen", der beseitigt werden müsse.

Ähnliche Worte fanden die ehemaligen Weggefährten und nunmehrigen Konkurrenten BZÖ-Obmann Jörg Haider und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, sie sprachen beide von Verrat. Ex-Gewerkschaftspräsident Fritz Verzetnitsch und die anderen Verantwortlichen seien "von Arbeitervertretern zu Arbeiterverrätern" geworden, kritisierte Haider vor etwa 300 Besuchern in Villach. Die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung sei verkauft und verraten worden, meinte auch Strache beim "1. Mai Frühschoppen" auf dem Urfahraner Jahrmarktgelände in Linz, bei dem laut Parteiangaben knapp 2.000 Besucher gekommen waren.

Schüssel verzichtet auf scharfe Worte
Nach seinem auf Kritik gestoßenen Vergleich der Lage der BAWAG mit dem Jahrhunderthochwasser verzichtete Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hingegen gänzlich auf Kommentare in dieser Sache. Den Feiertag verbrachte die ÖVP in Linz mit "Menschen, die an diesem Tag arbeiteten". Am Programm von Schüssel, oö. Landeshauptmann Josef Pühringer, Generalsekretär Reinhold Lopatka und weiteren ÖVP-Politikern standen Besuche des neuen Bahnhofs, des Landespolizeikommandos, der Landes-Frauen- und Kinderklinik in Linz und der Rot Kreuz-Dienststelle St. Florian.

Zu Wort gemeldet hat sich auch Kardinal Christoph Schönborn, der am Randes der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Mariazell zur Solidarität aufrief und davor warnte, dass Skandale niemanden erfreuen sollten, weil sie das Gemeinwohl verletzten.

(apa/red)