Harte Vorwürfe gegen Luxus-Bank Medici:
"Sie hat Betrüger Madoff mit Geld gefüttert"

FORMAT: In USA erste Sammelklagen eingereicht Name Madoff tauchte in Prospekten niemals auf

Harte Vorwürfe gegen Luxus-Bank Medici:
"Sie hat Betrüger Madoff mit Geld gefüttert" © Bild: APA/Helmut Fohringer

Ausgestorben ist das Florentiner Adelsgeschlecht der Medici seit mehr als zwei 250 Jahren. Das gleichnamige Geld- und Handelshaus schloss noch viel früher seine Pforten. Für die Errichtung der Medici Finanz Service GmbH im Jahr 1994 war das aber kein Hindernis. "Der Name ist nicht geschützt", strahlte Gründerin Sonja Kohn damals. Neun Jahre später erteilte die Finanzmarktaufsicht Kohn eine Banklizenz. Fortan durfte sie sich stolz Inhaberin der Bank Medici nennen. Ein historisches Wappen ziert seither Briefpapier, Homepage und die edlen Räume in der Wiener Operngasse 6.

Dazu die Kombination mit der Bank Austria, die 25,1 Prozent an Medici hält. Das kam bei reichen Privatkunden und großen Fonds an. Und so wurden Kohn viele Milliarden zur Verwaltung überlassen: Über Herald-, Primeo- und Thema-Fonds managte sie rund 3,5 Milliarden Dollar und kassierte "Management Fees" von mehr als 50 Millionen Dollar im Jahr.

Doch die guten Zeiten sind nun vorbei. Nun werden Sonja Kohn Umstände zum Vorwurf gemacht, die früher Bewunderung auslösten: Der erfundene Bankname erweist sich ebenso als Bürde wie ihre langjährige Freundschaft mit dem mutmaßlichen Betrüger Bernard "Bernie" Madoff. Der soll nach eigenen Angaben 50 Milliarden Dollar Kundengeld vernichtet haben – darunter auch die 3,5 Milliarden von Medici.

Sammelklage in den USA
Für die gigantische Wertvernichtung machen leidtragende Großinvestoren die 60-jährige Bankerin aus Wien mitverantwortlich. Der Hedgefonds Repex reichte am 12. Jänner 2009 eine Sammelklage vor dem New Yorker Bezirksgericht ein. Im 21 Seiten starken Repex-Papier wird der Vorwurf des Anlegerbetrugs erhoben. Die angegriffene Kohn – für sie gilt die Unschuldsvermutung – will die Beschuldigungen gegenüber FORMAT nicht kommentieren. Der Hauptvorwurf laut Repex ist, dass die Madoff-Connection nie offengelegt wurde. "Medici kontrollierte die Herald-, Primeo- und Thema-Fonds. Sie sammelten Geld von Investoren und verfütterten es an Madoff", heißt es in der Klage. "Sie informierten Investoren nicht darüber, dass sie für Madoff als ‚Feeder Funds‘ agierten." Die Kontrollfunktion – dafür wurde sie bezahlt – sei von Medici nicht ausgeübt worden. Auch der Name Madoff scheint in keinem Fondsprospekt auf.

Auch für Kohn war die Madoff-Verbindung kein unantastbares Ruhmesblatt: Immerhin hatte Freund "Bernie" in den Neunzigern einen zweifelhaften Ruf. Damals führte die US-Börsenaufsicht SEC zwei Verfahren gegen ihn. Zwar wurden keine Fehler entdeckt. Doch viele Wall-Street-Profi s machten seither einen Bogen um ihn.

Kohn zählte nicht dazu. Ihr Vertrauen schien grenzenlos. Sie züchtete mit ihren Fonds Europas gefräßigste Madoff-Klone heran – und fütterte sie regelmäßig mit frischem Anlegergeld. "Hätten wir das gewusst", heißt es in der Repex-Klagsschrift, "wir hätten nicht in die Fonds investiert." Denn die "abnorm hohen Renditen", die Madoff erzielte, konnte er nie plausibel erklären. Kritiker kanzelte Madoff stets selbstbewusst ab: "Dann investieren Sie woanders." Dass die Madoff-Bücher von einem 78-jährigen Steuerberater in Pension geprüft wurden oder dass Madoffs Firma verbotenerweise als Broker und Depotbank gleichzeitig agierte, war langjährigen Partnern wie Medici bekannt gewesen.

Die ganze Geschichte lesen Sie im aktuellen FORMAT 04/2009.