Harte Verhandlungen bei Herbstlohnrunde:
Abschluss unter Inflation eine "Frechheit"

ÖGB-Chef: Keine weiteren Reallohnverluste mehr Inlandsnachfrage lahmt, Inflation kommt nicht zurück

Harte Verhandlungen bei Herbstlohnrunde:
Abschluss unter Inflation eine "Frechheit" © Bild: APA/Schlager

Alle Experten erwarten wegen der hohen Teuerungsraten eine heiße Herbstlohnrunde. ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer hat die Position der Arbeitnehmervertreter deutlich gemacht. In einer Podiums-Diskussion zum Abschluss der Wirtschaftsgespräche in Alpbach lehnte er Forderungen nach Lohnabschlüssen unterhalb der Inflationsrate als "Frechheit" ab.

Dem gegenüber hatte ebenfalls in Alpbach Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein für Lohnabschlüsse plädiert, die sich nicht an den Teuerungsraten orientierten, sondern sich für einen "produktivitätsorientierten" Abschluss ausgesprochen.

Kein Abschluss unter Inflationsrate
Das will der Gewerkschaftsbund nicht akzeptieren. Appelle zum Maßhalten seien "für mich kein Maßstab". Und: "Dass wir einen Abschluss unter der Inflationsrate zur Kenntnis nehmen, das spielt es nicht", so Hundstorfer in Alpbach gegenüber Journalisten. Weitere Reallohnverluste will er nicht hinnehmen. Ohnedies liege der Reallohnverlust gegenwärtig bei 0,7 Prozent. Die letzten Abschlüsse waren wie berichtet von Geldentwertung und Steuerdynamik aufgefressen worden.

In Österreich liegt die Teuerungsrate derzeit auf einem Niveau, wie es zuletzt Anfang der 90er Jahre gesehen worden war. Im Juli war die Rate auf Jahresbasis von zuvor 3,9 Prozent leicht auf 3,8 Prozent zurück gegangen. Man werde sich bei den Berechnungen zwar nicht nur am Spitzenwert orientieren, die 3,9 Prozent "heben aber das Gesamtniveau", meinte Hundstorfer.

Binnennachfrage stagniert
Wieviel über die aktuelle Inflationsrate noch draufgelegt werden müsse, sagte Hundstorfer nicht. Er bestätigte aber, dass man sich an der alten Formel für Lohnabschlüsse (Inflationsrate plus Anteil am Wirtschaftswachstum und am Produktivitätszuwachs, Anm.) freilich immer noch orientiere. Es gebe keine Signale, dass die Inflation spürbar zurück komme. Zudem stagniere die Binnennachfrage.

Prozentsätze werde man von ihm vier Wochen vor Beginn der Herbstlohnrunde (traditionell von den Metallern eingeläutet) nicht hören. Experten hatten im Vorfeld für heuer jedenfalls die Vier vor dem Komma geortet. Dass in Deutschland einige große Branchen mit Erst-Forderungen um die 8 Prozent in die aktuellen Tarifverhandlungen gingen, wird von Hundstorfer ebenfalls nicht bewertet. "Ich kommentiere nicht Lohnrunden im Ausland", sagte er heute in Alpbach. Österreich habe seine eigene Lohnpolitik und seine inländischen Wirtschaftsdaten. Er deutete aber an, dass Österreich ganz "gut unterwegs" sei.

Auch Fragen nach möglicherweise stärkeren Differenzierungen nach Branchen wich Hundstorfer aus. In der Geschichte der Metallerrunden habe man bewiesen, "dass wir schon alles zusammengebracht haben", etwa auch die Öffnungsklauseln. "Alles ist möglich, alles hat es schon gegeben." (apa/red)