Harte Fronten nach Metaller-Lohnrunde: Keine Einigung über neuen Kollektivvertrag

"Was am Tisch liegt, ist Demotivierungsprogramm" Unternehmerseite hofft auf Signal der Arbeitnehmer

Die Kollektivvertragsverhandlungen für rund 180.000 Metaller und Industrieangestellte sind neuerlich geplatzt. Nachdem sich Unternehmer und Arbeitnehmer auch in der dritten Runde nicht geeinigt haben, droht in der Branche jetzt ein Arbeitskonflikt. Nun werden in ganz Österreich Betriebsversammlungen stattfinden, sagten die Arbeitnehmerverhandler, Metaller-Chef Erich Foglar und GPA-Vertreter Karl Proyer.

In der mehr als zwölfstündigen Marathon-Sitzung hatte es zuvor nach einer leichten Annäherung ausgesehen. Die Unternehmerseite hat laut ihrem Chefverhandler, Hermann Haslauer, 2,3 Prozent mehr Lohn und eine noch nicht bezifferte Einmalzahlung angeboten. Die Belegschaftsvertreter bezeichneten dies jedoch als völlig unzureichend. Letztendlich keine Einigung gab es auch bei der von den Unternehmern geforderten Flexibilisierung der Lohnabschlüsse. Am 2. November soll jetzt weiter verhandelt werden.

Starre Fronten vor nächster Runde
Vor der vierten Verhandlungsrunde in knapp zwei Wochen zeichnen sich bei den Metallern weiterhin starre Fronten ab. Unternehmer-Verhandler Hermann Haslauer zeigte sich Freitagfrüh unbeeindruckt von den angekündigten Betriebsversammlungen. Vor Journalisten sagte er: "Wir empfinden das als sehr unfreundlichen Akt. Wir haben aber keine Angst und werden uns dem Diktat auch nicht beugen."

Bei den Streitpunkten gehe es nicht nur um die Lohnerhöhungen, sondern auch um neue Entlohnungsmodelle und um die weitere Arbeitszeitflexibilisierung. "Man muss das als Paket sehen", sagte Haslauer. Lässt man die Top 40-Betriebe unberücksichtigt, würden derzeit 85 Prozent der Firmen in der Metall-Branche Verluste schreiben, betont man auf Unternehmensseite. Durch die Forderungen der Gewerkschaft würden die Zukunftschancen dieser Unternehmen in Frage gestellt. Die Positionen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern seien derzeit "sehr, sehr weit auseinander", sagte Haslauer.

Unternehmerseite hofft auf Signal
Von ihrer ursprünglichen Forderung nach einem komplett neuen Entlohnungsmodell, das sich aus geringeren fixen Lohnzuwächsen und Gewinn-Beteiligungen zusammensetzen sollte, ist die Unternehmerseite offenbar für heuer abgerückt. Ein "Signal in diese Richtung" sei aber notwendig, sagte der Firmenverhandler. Auf dieser Basis hofft er, dass der neuen Kollektivvertrag doch noch rückwirkend ab 1. November gelten wird können. "Abgerechnet wird erst am Ende des Monats", sagte der Unternehmensverhandler in der Hoffnung auf einen Abschluss der Verhandlungen im kommenden Monat.

Auch auf Arbeitnehmer-Seite hat man die Verhandlungen noch nicht restlos abgeschrieben. Die Gespräche seien noch nicht gescheitert, sondern lediglich unterbrochen, betonten Metaller-Chef Erich Foglar und Angestellten-Verhandler Karl Proyer von der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA). Zeichen zum Entgegenkommen gibt es von der Gewerkschaft aber nicht.

Foglar: "Was am Tisch liegt, ist Demotivierungsprogramm"
"Das Angebot der Arbeitgeber ist völlig ungenügend. Das entspricht in keinster Weise der hervorragenden wirtschaftlichen Situation. Wir können nur an die Unternehmer appellieren, auf die Beschäftigten in ihrem Betrieb zu hören. Die gilt es auch zu motivieren. Das, was derzeit am Tisch liegt, ist ein Demotivierungsprogramm", sagte Foglar.

Die Verhandlungen seien auf Wunsch der Unternehmer unterbrochen worden. Es liege jetzt "ausschließlich an den Arbeitgebern sich zu bewegen und den Menschen in diesem Land das zukommen zu lassen, was sie hart erarbeitet haben", so der Metaller. Und auch GPA-Verhandler Proyer sagte, bei dem Verhandlungsstand gebe es für die Gewerkschaft "schlicht nichts entgegen zu kommen". Bewegen müsse sich Arbeitnehmerseite.

Welche Gehaltsforderungen die Gewerkschaft stelle, wollten die Verhandler nicht beantworten. "Wir erheben schon seit Jahren keine Forderung, weil sonst jeder schaut, wer hat wo wie viel nachgelassen", erklärte Foglar. Für ihn ist dies die erste KV-Runde als Metaller-Chef. Sein Vorgänger Rudolf Nürnberger hatte im Vorjahr bei 3,1 Prozent abgeschlossen. Foglar, der am Donnerstag 51 geworden ist, peilt laut Zeitungsberichten heuer ebenfalls einen Dreier vor dem Komma an.

Der Abschluss der Metaller hat traditionell Signalwirkung für alle weiteren KV-Runden. Nun verhandeln Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der zweiten Runde über einen neuen KV für 450.000 Handelsangestellte. Ab 21. November folgt dann die Kreditwirtschaft mit 70.000 Mitarbeitern.
(APA/red)