Harte Fronten. 'Das finde ich zum Kotzen'

Van der Bellen & Strache streiten um Platz 3

Harte Fronten. 'Das finde ich zum Kotzen' © Bild: NEWS/Vukovits

Oppositions-Duell. Van der Bellen und Strache streiten über Platz 3, Anti-EU und die Ausländerparolen.

NEWS: Die SPÖ ist in Turbulenzen. Ist Alfred Gusenbauer als Kanzler für Sie noch tragbar?
Van der Bellen: Die SPÖ hat insgesamt ein Problem, ungeachtet all der Fettnäpfchen, die Gusenbauer nicht ausgelassen hat. Wenn die Regierung ihr Scheitern eingesteht, sind wir sicher die Letzten, die Neuwahlen verweigern.
Strache: Die SPÖ befindet sich in einer ähnlichen Verfassung wie die Grünen: Einfach nur re­gieren wollen um des Regierens willen. Die Grünen machen derzeit nichts anderes, als nach dem „Standby“-Modell zu agieren: Hauptsache, man ist in der nächsten Bundesregierung – gleichgültig in welche Richtung man umfällt.

Van der Bellen: Wenn die FPÖ sich darauf spezialisiert, 50 Jahre in der Opposition ver­bleiben zu wollen, ist das ihre Sache. Aber Österreich steuert auf eine Richtungsentscheidung zu: Soll es künftig in ­Richtung blaue Parolen oder Richtung konstruktive grüne Ideen gehen? Und dieser Entscheidung stelle ich mich gern.
Strache: Auf diese Entscheidung freuen wir uns ebenso. Denn es geht um soziale Verantwortung in diesem Land und darum, dass es auch eine Österreich-Partei gibt und eine Abstimmung über den EU-Vertrag. Dafür steht die FPÖ.

Van der Bellen: Sie wollen, dass Österreich aus der EU austritt. Seien Sie nicht feig, und verlangen Sie doch eine Volksabstimmung über den Austritt Österreichs aus der EU! Ich bin aber überzeugt, dass die großen Probleme nur gemeinsam gelöst werden können.
Strache: Der Einzige, der feig ist, Herr Van der Bellen, sind Sie! Sie haben gegen eine Volksabstimmung in der EU-Verfassungsfrage votiert.

Van der Bellen: Das zuständige Volk muss darüber abstimmen können. Und das ist das gesamte europäische Volk, Herr Strache, und nicht irgend­jemand sonst. Die FPÖ mit ihren simplen Parolen und ewig gestrigen Ansichten sucht für alles und jeden einen Sündenbock – und den glauben Sie eben in der Europäischen Union gefunden zu haben.
Strache: Da muss ich jetzt widersprechen. Die gestrige Politik machen die EU-Kommissare, diese Demokratie-Verweigerer, die gegen eine Volksabstimmung sind. Und das zeigt auch die Diskrepanz der Grün-Partei. Denn Sie sind von einer direkt-demokratischen zu einer abgehobenen Partei geworden, die von Volksabstimmungen und Demokratie heute nichts mehr wissen will.

Van der Bellen: Es ist so albern, was Sie da sagen, Herr Strache.
Strache: Nein, das ist nicht albern, sondern die Wahrheit.
NEWS: Themenwechsel. Die Grünen haben bei den vergangenen Wahlen laufend verloren, die FPÖ dazugewonnen. Woran kann das liegen?
Van der Bellen: Wir haben nicht immer verloren. Wir haben bei den Nationalratswahlen und in Graz gewonnen. Wir haben in Niederösterreich und Tirol verloren, wobei wir in Niederös­terreich Stimmen dazuge­wonnen haben, aber wegen der höheren Wahlbeteiligung ins­gesamt relativ verloren. Tirol
ist ein gemischtes Ergebnis. In Inns­bruck Stadt und Land liegen wir deutlich vor der FPÖ.

Strache: Lustig. Das ist genau die gleiche Argumentation, die ich von Rot und Schwarz ken­ne, um Niederlagen schön­zureden. Ganz nach dem Motto: Pech gehabt, die Wähler haben sich geirrt. Das ist auch ein Grund für die Politikverdrossenheit: Kein Politiker zieht Konsequenzen aus den Niederlagen.
Van der Bellen: Es ist unbestreitbar, dass leider sehr viele Menschen auf Ihre populistischen Pa­rolen hereinfallen, Herr Strache. Mein Grundver­trauen ist deswegen aber noch lange nicht ­erschüttert. Denn ich bin überzeugt, der Tag der Wahrheit wird auch für Sie einmal kommen. Denn das, was Sie vorhaben, ist nicht zum Wohl Österreichs. Wir brauchen etwa ein gewisses Maß an gesteuerter Immigration. Es sagt einem doch der gesunde Menschen­verstand, dass es sinnlos ist, jemanden abzuschieben, der hier seine Ausbildung absolviert hat und perfekt Deutsch spricht, wie Arigona Zogaj. Ich finde das wirtschaftspolitisch, sozialpolitisch und rein menschlich falsch – eigentlich sogar unter jeder Sau...

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