Harte Fakten beweisen neueste Entwicklung: Der Euro steigt zur neuen Weltwährung auf

FORMAT: Politik der EU für Trend mitentscheidend Geben auch Golfstaaten fixe Bindung an Dollar auf?

Harte Fakten sprechen für den Aufstieg des Euro zur Supermacht. So durchbrach der Euro kürzlich die Schallmauer von 1,50 Dollar und notierte kürzlich bei 1,53 Dollar. Das bedeutet gegenüber dem Startkurs des Euro als Buchgeld im Jänner von 1,18 einen Kursanstieg von 30 Prozent. Gemessen am historischen Tiefkurs von 0,82 im Herbst 2000, ist der Euro sogar 87 Prozent in die Höhe geschnellt.

Harte Fakten beweisen neueste Entwicklung: Der Euro steigt zur neuen Weltwährung auf © Bild: APA/Artinger

Beim Bargeldvolumen ist der Euro längst die unangefochtene Nummer eins. Weltweit zirkulierten im Jänner 2008 Euronoten und -münzen im Wert von 669,6 Milliarden. Zum Vergleich: Der Dollar ist mit umgerechnet 539,8 Milliarden Euro bereits deutlich zurückgefallen.

Der Euro entwickelt sich dementsprechend zum weltweit gern gesehenen Zahlungsmittel. Das liegt nicht zuletzt an den reisefreudigen Europäern. So ist zum Beispiel beim New Yorker Antiquitätenhändler William Leroy der Kunde König, wenn er mit Euros wedelt. Auch im internationalen Tourismusgeschäft wird der Euro immer populärer. TUI-Austria-Sprecher Josef Peterleithner: "In ganz Europa mit Ausnahme der Schweiz und Englands werden unsere Hotelbuchungen bereits auf Eurobasis abgeschlossen. Das Gleiche gilt für Kuba, Mauritius und Kenia. Jetzt wollen auch viele Inseln der Malediven auf Euro umstellen." Ob die Reisen dadurch günstiger werden, ist noch nicht klar. Derzeit läuft gerade der Preispoker für die Wintersaison.

Auch Exporte nach Osteuropa, noch vor kurzem eine Dollar-Domäne, werden heute überwiegend auf Eurobasis abgewickelt. In Russland wird zwar noch in Dollar oder Rubel fakturiert, allerdings hat dieser seine frühere Dollaranbindung aufgegeben. Martin Grüll, Finanzvorstand von Raiffeisen International: "Der Rubel orientiert sich an einem Währungskorb, der auch aus Euro besteht. Das Gewicht des Euro hat im Vorjahr von 40 auf 45 Prozent zugelegt." "Wir sehen einen klaren Trend zum Euro", meint Johannes Attems, Vorstand der Oesterreichischen Kontrollbank. "In der Türkei wird mittlerweile in Euro fakturiert, in Russland - vor kurzem noch Dollarraum - ist es egal, ob man Dollar oder Euro bringt, und in einigen Märkten wie dem Iran ist der Euro unangefochten."

Geben auch Golfstaaten Dollar auf?
Laut Werner Becker, Analyst der Deutschen Bank, orientieren sich bereits 40 Prozent aller Staaten der Welt am Euro, 60 Prozent sind mehr oder weniger fix an den Dollar gekoppelt. Noch. In den Golfstaaten wird bereits heftig diskutiert, wann man die fixe Bindung an den Dollar aufgeben soll. Schließlich sind die Scheichs alles andere als glücklich, wenn ihre Petrodollars beim Einkauf in Paris immer mehr an Wert verlieren. Außerdem treiben die steigenden Preise von Euroimporten die Inflation am Golf in zweistellige Regionen.

Das Erstarken des Euro liegt nicht nur am schwachen Dollar, sondern auch am Aufstieg der EU zum Global Player neben den USA. Europa hat in den letzten Jahren eine Reihe von Schritten gesetzt, die das Vertrauen in die Währung stärken: Die Erweiterung macht die EU zum größten Binnenmarkt der Welt, der kürzlich unterzeichnete Reformvertrag sichert die politische Handlungsfähigkeit, und die Außenhandelspolitik ist schon seit Jahren Gemeinschaftssache. "Die Welt vertraut Europas Zugang zur Weltpolitik mittlerweile mehr als den USA mit ihrem Cowboy-Auftreten", meint der US-Politikwissenschaftler Jeremy Rifkin. Was noch fehlt, ist eine echte gemeinsame Außenpolitik. "Aber mit dem Vertrag von Lissabon bekommt die europäische Außenpolitik nun ein einheitliches Gesicht - den Außenminister. Das wird den Euro stärken", meint Ex-EU-Kommissar Franz Fischler.

Trotzdem wird es noch einige Zeit dauern, bis sich der Euro auf Augenhöhe zum Dollar positioniert. IHS-Chef Bernhard Felderer: "Der Euro ist eine Erfolgsgeschichte. Die internationalen Notenbanken gehen aber auf Nummer sicher und beobachten immer noch genau, wie der Euro reagiert".

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