Straches General braust nach Brüssel

Harald Vilimsky: Fehlerloser Wahlkampf eines glanzarmen Spitzenkandidaten

Harald Vilimsky hat seinen Job gemacht. Als Ersatzmann für den rassismus-bedingt ausgefallenen Spitzenkandidaten Andreas Mölzer eingesprungen, hat der freiheitliche Generalsekretär die FPÖ zu einem deutlichen Zugewinn geführt. Seine Aufgabe wird nun sein, den Blauen ihren lang gehegten Wunsch nach einer Fraktionszugehörigkeit im Europaparlament zu erfüllen.

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Vilimsky © Bild: APA/Rubra

Ob die FPÖ ihr gutes Abschneiden vor allem Vilimsky zu verdanken hat, sei dahingestellt. Denn dass die Freiheitlichen vornehmlich ihren Parteichef Heinz-Christian Strache beworben haben und selbst im schon traditionellen Wahl-Rap dem Spitzenkandidaten lediglich die Rolle des Fahnen-Schwingers blieb, zeigt, dass auch die Blauen an der Strahlkraft des Generalsekretärs zweifelten.

Nicht-Burschenschaftler

Immerhin, Vilimsky, einer der gar nicht so vielen Nicht-Burschenschafter in der blauen Elite, machte nichts falsch, produzierte keine Negativ-Schlagzeilen und betonierte die Rolle der Freiheitlichen als führende EU-kritische Kraft ein. Dass sich Mölzer selbst aus dem Rennen genommen hat, dürfte Vilimskys Aufgabe in Brüssel als neuer blauer Europa-Leader weniger beschwerlich machen.

Keine leichte Aufgabe

Leicht wird seine Aufgabe ohnehin nicht, gilt es doch, gemeinsam etwa mit Front National und Vlaams Belang eine Fraktion zu zimmern, ein Unterfangen, das in der Vergangenheit mehrfach wegen unterschiedlicher Ausrichtungen der diversen europäischen Rechtsparteien gescheitert war. International vernetzt hat Vilimsky allerdings schon früher. 2008 und 2009 war er zu Gast bei den Kongressen der umstrittenen "Anti-Islamisierungsbewegung" "Pro Köln".

Einen Abschied aus der Innenpolitik bedeutet der Wechsel ins Europaparlament für Vilimsky freilich nicht. Der 47-Jährige wird auch von Brüssel aus als Generalsekretär fungieren. Dies belegt schon, dass Vilimsky zwar vielleicht nicht so eng an Parteichef Strache dran ist wie der andere Generalsekretär Herbert Kickl, aber doch zum engsten Machtzirkel der Freiheitlichen zählt.

Der Mann fürs Grobe

Der gelernte PR-Berater hat sich selbst nie als Parteiintellektueller definiert sondern eher als Mann fürs Grobe, kein Wunder bei seinen bisherigen Rollen als Wiener Landesparteisekretär und Generalsekretär. Noch im Jänner dieses Jahres meinte er zur damals noch geplanten freiheitlichen Doppelspitze für die Wahl, Mölzer sei der "seriösere, sachlichere von uns beiden".

Austeiler und Einstecker

Hart austeilen kann Vilimsky jedenfalls, aber auch einstecken. Legendär ist ein vor Kameras ausgetragener Selbstversuch mit einer Taser-Pistole, der den freiheitlichen Recken dann doch zu Boden streckte. Das änderte freilich nichts an seinem Werben für die Einführung der umstrittenen Waffe im Strafvollzug.

Law and Order

Law and Order ist überhaupt das politische Steckenpferd Vilimskys. Nicht nur einmal wurde der wortgewaltige Dauerverteidiger der Exekutive von seinem Parteichef Strache als künftiger Innenminister angepriesen.

Privater Wilder

Privat hat es der Freiheitliche auch gern wild. So hat Vilimsky eine Fallschirmspringer-Grundausbildung absolviert und per Motorrad die Sahara durchquert. Ansonsten ist Vilimsky Italienfan und hat ein Faible für irische Musik.

Zur Person:
Harald Vilimsky, am 22. Juli 1966 in Wien, geboren, 1990 Hochschullehrgang für Öffentlichkeitsarbeit, ab 1991 Pressereferent im FPÖ-Parlamentsklub, später im Wiener Landtagsklub. Ab 2001 Bezirksrat in Mariahilf, ab 2004 Landesparteisekretär der Wiener FPÖ. Seit 2006 Generalsekretär der FPÖ und Nationalratsabgeordneter. Vilimsky ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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