Hannes Reichelt von

Nur die Siege fehlen auf ganz oben

1.024 Punkte im Vorjahr - aber ohne ein einziges Rennen gewonnen zu haben

Hannes Reichelt am Start des Riesenslaloms von Sölden © Bild: GEPA pictures/Oberlaender

Hannes Reichelt könnte erstmals ein Wörtchen um den Gesamtweltcup mitreden - im Winter 2011/2012 hat er nämlich eine Bombensaison hingelegt. Mit 1.024 Punkten sammelte er mehr als doppelt so viele Zähler als in jeder seiner Saisonen davor. In Gesamtwertung (5.), Abfahrt (4.) und Riesentorlauf (5.) gelangen ihm Karriere-Bestleistungen, obwohl er kein einziges Rennen gewonnen hatte. In der Abfahrt war der mittlerweile 32-Jährige sogar die Überraschung schlechthin, deshalb geht Reichelt hinter Klaus Kröll und Beat Feuz nun sogar als Weltranglisten-Dritter in die neue Saison.

In dieser ging es gleich in der alten Tonart weiter, denn Platz sechs beim Riesentorlauf-Saisonstart in Sölden war ebenfalls persönlicher "Reichelt-Rekord". Wie Marcel Hirscher mit "zweieinhalb" Disziplinen deshalb nun sogar auf die große Kristallkugel losgehen zu können, hält Reichelt aber für nicht sehr wahrscheinlich. "Wenn du vorne mitfahren willst, musst du ein Seriensieger sein. Und das war ich zuletzt eben nicht", weiß der Super-G und Riesentorlauf-Spezialist.

Reichelt fehlten zwar die Siege, sieben Podestplätze - zwei davon beim Finale in Schladming - rundeten dennoch eine insgesamt bärenstarke Saison ab. Darauf will der Salzburger nun aufbauen. "Die Abfahrtsstrecke in Copper Mountain ist genial. So eine Strecke um diese Jahreszeit ist ein Riesenvorteil", war Reichelt vom US-Speedcenter begeistert, obwohl er wegen einer Verkühlung und der extremen Höhenlage von 3.000 m Vorsicht walten ließ und erst diese Woche mit dem Training loslegte.

"Colorado ist der Hammer"
Zudem kann er eine halbe Autostunde weiter in Vail auch Super-G und Riesentorlauf üben, ehe es nächste Woche weitergeht zum Speed-Auftakt nach Lake Louise in Kanada. "Colorado ist der Hammer. Hier kannst du Dinge rausfinden, die du derzeit in Europa nicht trainieren kannst. Und das Training auf dem amerikanischen Kunstschnee kommt dir dann auch später in Alta Badia, Gröden oder Bormio zugute", hoffte Reichelt trotz seiner Erkältung auf noch möglichst viele Testkilometer.

Reichelt kommt der Start in Übersee sehr gelegen, ist er doch mit seiner feinfühligen Fahrweise Spezialist für den nordamerikanischen Kunstschnee. Die ersten drei seiner bisher fünf Weltcupsiege hat er in Beaver Creek bzw. Whistler Mountain gefeiert. „Ihm ist hier alles zuzutrauen, die Rennen in Nordamerika taugen ihm“, ist auch Speed-Trainer Rainer Gstrein von seinem „Gast“ überzeugt. Reichelt gehört wie Benjamin Raich oder Philipp Schörghofer der Kombi-/Riesentorlauf-Trainingsgruppe von Andreas Puelacher an.

Gutes neues Material
Gut zurecht gekommen ist der Salomon-Fahrer beim Sommertraining in Chile auch mit den neuen und ebenfalls "entschärften" Abfahrtsski. "Mir ist lieber, wenn du nicht Angst haben musst, dass es dich blöd verschneidet oder die Ski so ungut beißen, dass es dir etwas verdreht. Aber natürlich ist das Kurvenfahren schwerer geworden, also muss die Kurssetzung etwas humaner werden", meinte Reichelt. Technische Nachteile kann der Pilotenscheinbesitzer aber nicht erkennen. "Die Taillierungen sind in der Abfahrt ohnehin nie ausgenutzt worden."

So richtig "wurscht" ist dem Radstädter das Theater um Lindsey Vonns abgelehnten Start bei den Herren in Lake Louise. "Sie hätte schon kommen können. Aber wenn sie sich wirklich mit uns messen will, dann auf einer gescheiten Abfahrt. Also Bormio oder Beaver Creek", lautete Reichelts Vorschlag.

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