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SPÖ-Kronprinz, Industriekapitän, Fabelwesen -
Hannes Androsch wird 80

Kaum ein Österreicher war im vergangenen halben Jahrhundert so präsent und gestalterisch tätig

Er war als "Kronprinz" Bruno Kreiskys Finanzminister und Vizekanzler, wechselte an die Spitze der Creditanstalt, fiel tief und stieg zum erfolgreichen Industriellen auf, der über Jahrzehnte mit Kommentaren und Initiativen das Land prägte. Für Peter Pelinka ist Hannes Androsch, der am Mittwoch seinen 80. Geburtstag feiert, ein "großer Ermunterer", für Andre Heller ein "österreichisches Fabelwesen".

Androsch sei "im Grunde, manchmal über Umwege, immer nach oben gefallen", schreibt Heller in der Festschrift "Zukunft - Erkennen - Gestalten", das Pelinka gemeinsam mit Androsch anlässlich des runden Geburtstags herausgegeben hat. Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Politik und Wissenschaft widmen sich darin aus unterschiedlichsten Perspektiven dem Lieblingsthema Androschs, der Zukunft.

Kaum ein Österreicher war im vergangenen halben Jahrhundert permanent so omnipräsent und gestalterisch tätig wie Hannes Androsch. Und auch mit 80 Jahren ist er noch oft gefragter Gesprächspartner und Kommentator des politischen Geschehens.

Androsch wurde am 18. April 1938 im "roten" Floridsdorf geboren, auch seine Familie war politisch so geprägt. 1953 wurde er Bezirks-Obmann der Sozialistischen Mittelschüler, neun Jahre später stand er dem VSStÖ vor. Nach einem Diplomstudium an der Hochschule für Welthandel begann Androsch als Steuerberater in der Kanzlei seines Vaters und übernahm diese 1965 nach dessen Tod.

Schon 1963 begann er für den SPÖ-Parlamentsklub zu arbeiten und zog 1967 in den Nationalrat ein. 1970 machte Bruno Kreisky den 32-Jährigen zum (bis dahin) jüngsten Finanzminister der Zweiten Republik. Als solcher war er Verfechter der Schilling-Hartwährungspolitik, Kritiker sahen ihn aber auch an der Wiege von Kreiskys "deficit spending"-Politik stehen.

1976 wurde Androsch Vizekanzler und galt als solcher lange als Kronprinz des "Sonnenkanzlers". Doch das persönliche Verhältnis zwischen Kreisky und Androsch verschlechterte sich nach und nach - was Androsch selbst auf krankheitsbedingte Persönlichkeitsveränderungen Kreiskys schob und von "alttestamentarischem Hass" des Kanzlers ihm gegenüber sprach. 1978 kam erstmals Kritik daran auf, dass Androsch seine Steuerberatungskanzlei "Consultatio" als Minister weitergeführt hatte.

Schließlich legte Kreisky 1980 ein wohl auch gegen Androsch gerichtetes Programm zur politischen Sauberkeit auf. Als dann die Kritik an ihm auch im Zusammenhang mit dem im gleichen Jahr gestarteten Untersuchungsausschuss zum AKH-Neubau wuchs, erklärte Androsch Ende 1980 seinen Rücktritt, schied wenig später aus dem Nationalrat aus und trat auch als SPÖ-Vizechef zurück.

Unmittelbar nach seinem Rücktritt wurde Androsch Stellvertreter von Heinrich Treichl an der Spitze der Creditanstalt, im Juli 1981 übernahm der "Rote" die "schwarze" Bank. Doch Androschs Zeit als CA-Chef war von gerichtlichen Auseinandersetzungen überschattet: Nach mehrjährigen Gerichtsverfahren wurde er 1988 schließlich wegen falscher Zeugenaussage vor dem AKH-Untersuchungsausschuss schuldig gesprochen und trat als CA-Generaldirektor zurück. 1993 folgte dann noch ein letztinstanzliches Urteil wegen Steuerhinterziehung. Androsch selbst bezeichnete die Causa gegen ihn von allem Anfang an als Beispiel für "politische Justiz".

Seine 2015 erschienene Autobiografie betitelte Androsch "Niemals aufgeben". Und das tat er auch in dieser Phase: Ab Ende der 1980er Jahre baute er seine Steuerberatungskanzlei zu einem Netz von Beratungs- und Wirtschaftsprüfergesellschaften aus, die er unter dem Dach Androsch International Management Consulting (A.I.C.) zusammenfasste.

1994 startete er seine Karriere als Industrieller, als er mit dem Management die marode staatliche Leiterplattenfirma AT&S kaufte und später an die Börse brachte. Der Kaufpreis war mit zusammen 90 Mio. Schilling vergleichsweise niedrig. Mit dem Handyboom wurde das Unternehmen, dessen Aufsichtsrats-Vorsitzender Androsch mittlerweile ist, trotz rezessionsbedingter Rückschläge zu einem technologisch führenden Leiterplattenhersteller, mit Produktionsniederlassungen in Indien und China.

Als er 1997 mit dem befreundeten RLB OÖ-Chef Ludwig Scharinger die Salinen dem Staat abkauften, wurde Androsch zum "Salzbaron" geadelt, der gerne auch in seiner zweiten Heimat Altaussee Hof hält. Androsch beteiligte sich in der Folge an zahlreichen weiteren Unternehmen, etwa dem Flugzeugzulieferer FACC, der Bawag oder dem Wettanbieter bwin.

Doch ganz im Sinne eines Citoyens hat sich Androsch in den vergangenen Jahren nicht aufs Altenteil zurückgezogen. 2003 wurde er Chef des Uni-Rats der Montanuniversität Leoben. 2007 übernahm er den Aufsichtsratsvorsitz der maroden Austrian Research Centers (ARC), die er als Austrian Institute of Technology (AIT) wieder flott machte. 2008 wurde er zunächst stellvertretender, ab 2012 Aufsichtsratsvorsitzender der Bankenbeteiligungs-Holding des Bundes FIMBAG, 2010 Vorsitzender des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) und damit "unermüdlicher Kämpfer für Bildung, Forschung und Wissenschaft" (Pelinka) sowie Regierungskommissär für die österreichische Beteiligung an der Expo in Shanghai und war treibende Kraft des Bildungsvolksbegehrens 2011.

Zudem hat der Vater dreier Kinder, der selbst kaum an einer internationalen Neuerscheinung zu politischen und wirtschaftspolitischen Themen vorbeigehen kann, in den vergangenen Jahren in einem wahren Stakkato Bücher herausgegeben, deren Spektrum vom "Viva-Mayr Kochbuch" über Thesen zur Zukunft Österreichs ("Das Ende der Bequemlichkeit") bis zu Wendepunkten der Weltgeschichte ("1848. 1918. 2018") reicht.

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