Handke in NEWS über Milosevic-Beisetzung: "Auf Wunsch der Familie bei Begräbnis"

"Wollte gegen dreckige, vorgestanzte Sprache eine andere Sprache finden" <b>BILDER</b> von der Beisetzung des Ex-Präsidenten

Der Dichter Peter Handke, der beim Begräbnis Slobodan Milosevics in Serbien eine Rede hielt, erklärt in einem Interview für die aktuelle NEWS-Ausgabe seine Beweggründe: "Mir wurde eine Nachricht der Familie übermittelt: Man wollte, dass ich dabei wäre. Ich habe lang überlegt und gedacht, es genügt eigentlich, wenn man sich hier, wo ich wohne, besinnt. Dann aber las ich soviel Grausiges in allen Zeitungen, in Frankreich, Spanien, Deutschland - eine Sprache, die einem nicht nur die Schuhe auszieht, sondern auch die Haut abzieht. Dann hab ich gedacht: Wenn nur so eine dreckige, vorgestanzte Sprache vorherrscht, die das Wort Sprache nicht verdient - da muss man doch versuchen, eine andere Sprache zu finden. "

Handke bekräftigt im NEWS-Interview, sich kein Urteil über die Ereignisse im ehemaligen Jugoslawien zu erlauben: "Es urteilen ohnehin alle anderen. (...) Als Schriftsteller bin ich auch nicht zum Urteilen auf der Welt. Und die Journalisten sind heute nicht nur Ersatzrichter, sondern Vorrichter. Sie richten noch vor den Richtern, und das steht dann fest, wie sie meinen, für ihre Ewigkeit. Kafka schreibt so ungefähr: "Der schreibt, schert aus aus der Reihe der Mörder." Was den heutigen Journalismus betrifft, so ist gerade das Gegenteil der Fall: Die schreiben so, dass sie sich in die Reihe der Mörder einreihen. Es ist, als ob die Medien die Einpeitscher des Hasses in der Welt wären. Wenn sie den Hass hervorgekitzelt haben, verwalten sie den Hass. Und drittens sind sie die Großverdiener am Hass."

Dass er mit Milosevic befreundet gewesen wäre, weist Handke zurück: "Wie soll ich denn mit ihm befreundet gewesen sein? Und wenn ich es gewesen wäre - wie kann man mit einem Politiker befreundet sein?"

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