Handelskrieg von

Hat Trump
recht?

Christoph Lehermayr © Bild: News/Ian Ehm

Werden die armen Amis abgezockt, ausgeplündert und mit unvorteilhaften Verträgen über den Tisch gezogen?

Irren wir uns alle gewaltig und wird den USA seit Jahrzehnten im Handel übel mitgespielt? Werden die armen Amis abgezockt, ausgeplündert und mit unvorteilhaften Verträgen über den Tisch gezogen? In der Welt des Donald Trump ist das jedenfalls so. Darum auch die Strafzölle auf Aluminium und Stahl, die rüden Worte, die Eskalation nach dem G7-Gipfel mit seinen engsten Verbündeten. Halten die Kongressabgeordneten Trump nicht noch auf, steuern wir auf einen Handelskrieg mit den USA zu. Zeit also, sich mit seinen Argumenten auseinanderzusetzen und zu fragen, ob er am Ende nicht doch recht hat?

Ausgangspunkt für Trumps Furor ist Amerikas riesiges Handelsbilanzdefizit gegenüber der EU und China, welches 2017 560 Milliarden Dollar ausmachte. Die Hauptursache dafür liegt aber nicht in einer bösen Verschwörung, wie Trump mutmaßt, sondern darin, dass viele US-Produkte einfach kaum konkurrenzfähig sind. Oder haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, sich einen Ami-Schlitten zuzulegen? Hinzu kommt, dass US-Konzerne selbst zuhauf billig im Ausland produzieren und die Waren rückimportieren, was die Handelsbilanz weiter schwächt. Beim Gang durch einen Walmart-Supermarkt findet sich daher auch wenig "Made in America". Ganz anders sieht es bei Dienstleistungen aus, wo die USA etwa mit ihren Tech-Konzernen die westliche Welt beherrschen. Aber darüber spricht Trump weniger gern. Er pickt sich lieber Details heraus und macht sie zur Staatsaffäre. Etwa, dass die Kanadier ihre Milchbauern mit hohen Importzöllen schützen. Doch diese sind das Ergebnis von Verhandlungen, bei denen die Amerikaner wohl kaum mit angesetzter Pistole zu einer Einigung gezwungen worden wären. Auch weil sie es umgekehrt genauso machen und ihre eigenen Farmer mit hohen Zöllen, etwa auf Tabak und Erdnussbutter, schützen. Generell sind alle Zölle, und davon gibt es Tausende, das Ergebnis von Verhandlungen und jenem Wettbewerb, den uns die Amerikaner jahrzehntelang predigten. Und schlecht sind sie daraus auch selten ausgestiegen, wie eine Studie der Weltbank beweist. Ihr zufolge liegen alle erhobenen Zölle der EU im Schnitt bei 1,6 Prozent -und sind damit exakt gleich hoch wie jene der Amerikaner. Die einen verrechnen für das eine Produkt mehr, die anderen eben für das andere. Grund, einen Handelskrieg vom Zaun zu brechen, ist das keiner.

Trump will ihn trotzdem und prüft schon Strafzölle auf Autos. Sie machen zehn Prozent der heimischen Exporte in die USA aus. 75.000 Österreicher sind in dieser Sparte beschäftigt. Und somit hat Trump zumindest in einem Punkt völlig recht: In einem Handelskrieg hätte Europa weit mehr zu verlieren als umgekehrt. Doch zu gewinnen gibt es dabei für keinen etwas.

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