Hamilton wird zum neuen Schumacher:
Indy-Sieger stellt die Formel 1 auf den Kopf

Überraschter Alonso aber noch lang nicht kaltgestellt Rookie Vettel laut Mateschitz '09 wieder bei Red Bull<br>Gerüchteküche brodelt: Verliert Wurz bald Cockpit?

Hamilton wird zum neuen Schumacher:
Indy-Sieger stellt die Formel 1 auf den Kopf

Sein zweiter Sieg in Serie hat dem internen Stallduell bei McLaren-Mercedes noch mehr Spannung verliehen. Rookie-Sensation Lewis Hamilton stellt die Formel-1-Hierarchie weiterhin auf den Kopf. Mit seinem Triumph im Grand Prix der USA in Indianapolis baute der 22-jährige Brite seine WM-Führung auf seinen Teamkollegen und Titelverteidiger Fernando Alonso auf zehn Punkte aus. Indessen gibt es wilde Spekulationen über die Formel-1-Zukunft von Alexander Wurz.

Finnische Medien brachten zuletzt einen möglichen Wechsel des finnischen Piloten Heikki Kovalainen von Renault zum Wurz-Team Williams ins Spiel. Angeblich muss der Finne bei Renault nämlich Testfahrer Nelson Piquet Junior Platz machen. Für die Fahrer-Rochade soll Renault-Chef Flavio Briatore Frank Williams fünf Millionen Dollar geboten haben. Dennoch kann Wurz cool bleiben: Obwohl Williams frisches Geld immer gut gebrauchen kann, gilt er als loyaler Boss, der einen Fahrer wie Wurz nicht einfach fallen lässt.

Alonso bleibt optimistisch
Zurück zum Titelkampf: Alonso hat seinen dritten Titel in Serie noch lange nicht abgeschrieben. "Ich bin sehr zuversichtlich. Wir sind erst sieben Rennen gefahren, zehn stehen noch aus. Die WM wird erst am Ende entschieden", erklärte der Spanier. "Im Moment bin ich mit meinen 48 Punkten recht glücklich." Hamilton allerdings hält nach sieben Podestplätzen in seinen ersten sieben Grand Prix bei 58 Zählern.

"Es ist eine Überraschung für mich und eine Überraschung für jeden, ihn (Hamilton) so gut fahren und zu diesem Zeitpunkt die WM anführen zu sehen", gestand Alonso. Nicht einmal der Shooting Star selbst hätte so etwas erwartet. "Realistisch betrachtet habe ich gehofft, das eine oder andere Mal auf das Podest zu fahren", sagte Hamilton. "Jetzt war ich sieben Rennen lang dort oben. Das ist verrückt. Die beiden Rennen in Kanada und Indianapolis waren die besten meines Lebens."

Hamilton der neue Schumacher?
Die unglaubliche Konstanz des bisher fehlerlosen Briten lässt ihn in den Augen vieler Experten und Buchmacher nun sogar als WM-Favoriten dastehen. Er würde damit ausgerechnet Alonso als den jüngsten Weltmeister der Geschichte ablösen. "Wenn man ihm den Helm von Michael Schumacher aufsetzen würde, würde man glauben, da fährt wirklich Michael", verglich Formel-1-Chef Bernie Ecclestone seinen jungen Landsmann bereits mit dem zurückgetretenen Rekordweltmeister.

Nach dem dritten McLaren-Doppelsieg in Serie sind zumindest die beiden in die Kritik geratenen Ferraris von Felipe Massa (39 Punkte) und Kimi Räikkönen (32) in der WM-Wertung einmal relativ deutlich distanziert. Dass es im derzeit überlegenen Team der Königsklasse aber (noch) keine Stallorder gibt, unterstrichen die wiederholten Angriffe Alonsos, die Hamilton jedoch eiskalt abwehrte. "Das Duell mit Fernando war hart, aber professionell", versicherte Hamilton.

Auch Teamchef Ron Dennis ("Einer muss ja gewinnen") wurde nicht müde, immer wieder zu betonen, beiden Piloten die gleiche Unterstützung zukommen zu lassen. Es sei nicht Aufgabe des Teams, aktiv ins Renngeschehen einzugreifen.

Wenngleich McLaren genau das nach dem Monaco-Grand-Prix vorgeworfen worden war, den Alonso vor Hamilton für sich entschieden hatte. In Übersee scheint sich das Blatt aber leicht gewendet und der Debütant plötzlich die besseren Karten als der Doppelweltmeister zu haben.

Rookie Vettel 2009 wieder bei Red Bull
Ein starkes Debüt legte auch der Deutsche Sebastian Vettel mit Platz acht auf den Asphalt der US-Motorsport-Hauptstadt. Der Ersatzfahrer für den in Kanada schwer verunfallten Polen Robert Kubica holte mit 19 Jahren, 11 Monaten und 14 Tagen im BMW-Sauber als jüngster Pilot der F1-Geschichte einen WM-Punkt - auch weil Nico Rosberg, der Williams-Teamkollege des zehntplatzierten Österreichers Alexander Wurz, kurz vor Schluss einen Motorschaden erlitt.

Vettel löste als Rekordhalter den Engländer Jenson Button ab, der 2000 in Brasilien mit 20 Jahren und zwei Monaten in Brasilien als Sechster im Williams einen Punkt geholt hatte. Im Jahr darauf wurde das Punktesystem der Formel 1 geändert, sodass nun die ersten acht an Stelle der ersten sechs Piloten mit WM-Zählern bedacht werden. Beim kommenden Grand Prix von Frankreich am 1. Juli in Magny Cours soll allerdings wieder Kubica im BMW sitzen, falls er den medizinischen Test durch den Weltverband FIA besteht.

"Zuschauen ist nicht schön. Das wird genauso schwer wie vorher", versicherte Vettel. "Ich glaube, da gibt es noch ein paar andere Testfahrer, die das bezeugen können." Etwa der Österreicher Christian Klien bei Honda, der im Vorjahr von Red Bull Racing ausgebootet worden war. Dort könnte langfristig Vettel landen, denn Dietrich Mateschitz hat bereits seine Besitzansprüche an dem Talent angemeldet. "Wir haben Sebastian für vier Jahre bei BMW geparkt. Es gibt Verträge, und wenn wir Leistung bringen, wird er 2009 wieder bei uns sein", erklärte der Red-Bull-Boss.

(apa/red)