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Hamilton vs. Rosberg:
Der Formel 1 droht Explosion

Mercedes-Stallduell geht in Kanada in die nächste Runde - Berger sieht Gefahr

Hamilton und Robserg mit Caps © Bild: GEPA pictures/ XPB Images/ Charniaux

Der Feind in meinem Bett! Das aktuelle Psycho-Duell zwischen den beiden Mercedes-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton beherrscht 2014 die Formel 1. Nachvollziehen kann das auch Christian Klien. Der Österreicher musste seinerzeit bei Red Bull um ein Cockpit kämpfen. Obwohl der "Krieg der Sterne" in Kanada weiter geht, plädiert Klien für Fairness. "Überzeugen sollte man durch Leistung."

Der Vorarlberger musste in der schwierigen Anfangszeit des späteren Weltmeisterteams gegen Tonio Liuzzi um eines der beiden Autos kämpfen und sich mit dem Italiener sogar im Cockpit abwechseln. Dass das WM-Duell im überlegenen Mercedes zwischen Rosberg und Hamilton aufbrechen musste, liegt auch für Klien auf der Hand. Und ist auch okay. "Ein Glück. Das ist doch das Spannende, das wir derzeit haben."

Hamilton hat die aktuelle Missstimmung nach den Untergriffen beim Monaco-Grand-Prix zwar für beendet erklärt und will in Kanada wieder sportlich überzeugen. Auf dem Circuit Jacques Villeneuve hat der emotionale Engländer im Gegensatz zu Rosberg mit drei Siegen eine starke Bilanz. Dort feierte er 2007 auch seinen ersten GP-Triumph. Ein Jahr später war er auch Weltmeister. Rosberg ist in Montreal noch nie auf das Podest gekommen.

Hamilton und Rosberg in Monaco auf der Strecke
© Mark Thompson/Getty Images

Hamilton hat "Kriegserfahrung"

Hamilton hat zudem Stallkriege wie jenen bei McLaren gegen Fernando Alonso schon hinter sich und kennt die Spielchen. Jetzt ist Rosberg der Mann, den er übertrumpfen muss. "Spätestens in Monaco haben beide die Ellbogen ausgefahren. Und nun versucht jeder, seine Trick auszupacken", ist Klien bewusst.

Auch Gerhard Berger fürchtet Schlimmstes. "Man erkennt ganz klar, dass die Spielchen jetzt losgehen. Das gehört dazu und ist Rennsport auf höchstem Niveau", erklärte der frühere Teamkollege von Ayrton Senna zuletzt bei Servus TV.

»Die Nadelstiche kommen unentwegt«

Der Tiroler hatte in Monaco beim gemeinsamen Abendessen schon bemerkt, wie sehr es brodelt. "Die Nadelstiche kommen unentwegt. In den nächsten Rennen werden wir eine Explosion erleben", glaubt Berger, dass das alles erst der Anfang war.

Mercedes hat freilich zuletzt nochmals verdeutlicht, dass alles seine Grenzen hat. Man wolle sich weder die WM noch den Ruf gefährden lassen, betont Motorsportchef Toto Wolff bei allem Verständnis für seine beiden Fahrer immer wieder, dass die Piloten Angestellte sind und vor allem das Team zähle.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Rosberg und Hamilton kämpfen freilich alleine deshalb mit offenem Visier, weil jetzt die Weichen für den späteren Saisonverlauf gestellt werden. "Momentan sind sie ja quasi punktegleich. In der zweiten Saisonhälfte wird aber das Team irgendwann mal auf einen Piloten setzen müssen", ist Klien sicher.

"Deshalb fighten die beiden derzeit, wo sie noch voll fahren können, um jeden Punkt, um den Nummer-Eins-Status im Team zu erreichen, da stacheln sie sich hoch", liegen für den Österreicher die harten Bandagen auf der Hand. "Denn irgendwo musst du ja immer schauen, dass du vor deinem Teamkollegen bist."

© Video: Mercedes AMG Petronas

Die Wahrheit liegt auf der Straße

Gewinnen solle man diesen Kampf aber am besten auf der Straße, verwies auch Klien auf die großen Ego-Duelle in der Formel 1, wie sie vor allem zwischen Senna und Alain Prost, Nigel Mansell und Nelson Piquet, Hamilton und Alonso und zuletzt auch zwischen Weltmeister Sebastian Vettel und Mark Webber immer wieder zu sehen waren.

"Man sollte natürlich trotz allem fair bleiben und am besten mit Leistung und Speed auf der Rennstrecke", überzeugen, plädiert der ins Langstrecken-Lager gewechselte Klien und sieht da einen kleinen Vorteil für Hamilton. "Weil er im Qualifying einen Tick schneller ist. Vor allem das muss Nico nun rasch ändern."

Kanada wie gemacht für Mercedes

Auch weil in Kanada aggressives Fahren belohnt wird, wird Hamilton etwas im Vorteil gesehen. Auf der schmalen Insel Notre Dame im St. Lorenz-Strom gehen sich nur lange Geraden und scharfe Kurven aus, das ist nicht nur perfekt für die beiden starken Mercedes, sondern vor allem für Hamiltons Fahrstil.

Noch nie hat heuer ein Mercedes-Pilot als WM-Leader gewonnen. Nach seinem Auftaktsieg in Melbourne hatte Rosberg erst mit seinem zweiten Saisonerfolg vor zwei Wochen in Monaco wieder die Führung übernommen, dazwischen siegte Hamilton vier Mal in Folge. Vor dem siebenten Saisonlauf liegt Rosberg vier Punkte vor Hamilton. Geht die Serie weiter, wäre Verfolger Hamilton in Kanada also wieder mit dem Siegen dran.

Deeskalation der Situation

Die beiden Piloten bemühen sich indes, Ruhe in die Geschichte zu bringen und haben ihren Streit für beendet erklärt. "Es gibt nicht viel zu sagen. Wir haben nach dem Rennen gesprochen, auch Freunde haben Hochs und Tiefs", erklärte Hamilton am Donnerstag in der Pressekonferenz für den Kanada-GP. Rosberg bestätigte wenig später: "Wir haben gesprochen, es ist Geschichte."

Natürlich ist es schwieriger, wenn du gegen einen Teamkollegen kämpfst. Es geht immerhin um die WM. Aber wir haben einen Respekt füreinander, der auf 15 Jahren aufbaut", erklärte Rosberg im Fahrerlager von Montreal, das wegen des Platzmangels auf der Isle Notre Dame eine bessere Zeltstadt ist.

Machtwort von Mercedes

Hamilton hatte zuvor ähnlich geklungen. Offenbar aber auch aufgrund eines "Machtwortes" des Arbeitgebers. "Wir werden zusammenarbeiten und versuchen, das beste für Mercedes herauszuholen." Der Engländer ist überzeugt: "Nichts hat sich geändert, auch nicht im Team. Die Unterstützung für uns beide ist nach wie vor gleich groß und die Saison ist noch lange."

Rosberg bestätigte aber, dass Psychospiele Teil des Sport-Geschäftes seien. "Es wäre für unsere Beziehung sicher einfacher, wenn der Gegner ein anderer ist als der Teamkollege. Aber ich fokussiere mich ohnehin darauf, Rennen zu gewinnen. Und ich werde nichts tun, um die Sache zwischen mir und Lewis anzuheizen und womöglich einen Krieg heraufbeschwören", gab sich der Deutsche wie immer sachlich.

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