Halleiner tragen das Papier zu Grabe: Nach
120 Jahren wird die Produktion eingestellt

Beschäftigte unternahmen Trauermarsch zu Friedhof Papierfabrik nahm im Jahr 1890 die Produktion auf

Halleiner tragen das Papier zu Grabe: Nach
120 Jahren wird die Produktion eingestellt © Bild: APA/Gindl

Ein Kapitel in der Geschichte Halleins ist zu Ende gegangen: Nach fast 120 Jahren Papierproduktion - die Papierfabrik wurde 1890 gegründet - wurde nun die letzte Papiermaschine 4 bei M-real abgeschaltet. Aus diesem Anlass unternahmen Beschäftigte einen Schweigemarsch vom Werk zum Stadtfriedhof, wo Firmengründer Karl Kellner begraben ist.

Da die M-real Hallein AG in den vergangenen Jahren Verluste produziert habe und die Prüfung mehrerer Alternativen seit Herbst 2007 keine Ergebnisse brachte, traf die M-real Corporation im Jänner dieses Jahres die Entscheidung zur Stilllegung der Papierproduktion. Diese Maßnahme hat zur Folge, dass bis Ende Juni rund 260 Mitarbeiter das Werk verlassen haben werden, bis Ende 2009 werden es aus heutiger Sicht rund weitere 180 sein. Der finnische M-real-Konzern schließt die Papierfabrik und konzentriert sich in Hallein auf die Herstellung von Zellstoff und Energie. In Glanzzeiten hatte die Papierfabrik mehr als 1.000 Leute beschäftigt.

Im Jahr 1890 gründeten der Wiener Chemiker Kellner und der Ökonom Edward Partington aus Burry/Lancyshire mit "The Kellner Partington Paper Pulp & Co" eine Zellulosefabrik. Der Standort Hallein war aus mehreren Gründen ideal: Es gab dort einen Holzrechen in der Salzach, der Driftholz aus den Gebirgsgauen auffing. Von 1918 bis 1979 war die norwegische Borregaard-Holding Gesellschafter der Halleiner Papier- und Zellstofffabrik. Die 1980er Jahre waren von wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch fallende Papierpreise, Eigentümerwechsel sowie den Kampf um die Einhaltung von Umweltauflagen geprägt. Im Jahr 1979 wurde der Industriebetrieb von Booregaard an die Papierwerke Aschaffenburg (PWA) verkauft, 1981 erfolgte die Umbenennung des Unternehmens in Hallein Papier AG. Im Jahr 1993 führten die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zur Insolvenz der Hallein Papier AG, die im Rahmen eines Ausgleichs 200 von damals 1.100 Mitarbeitern kündigte.

Im Jahr 1995 ging das Werk an den schwedischen SCA-Konzern, der 1999 in MoDo Paper umbenannt wurde. Der MoDo-Konzern ging ein Jahr später an die finnische Metsä-Serla-Gruppe. Seit 2001 heißt die Papierfabrik M-real Hallein AG. Im Jahr 2008 hat der finnische Mutterkonzern mehrere Papierwerke an die südafrikanische Sappi-Gruppe verkauft.
(apa/red)