Haiders Tod verändert politische Landschaft
Österreichs: Steht das BZÖ vor dem Aus?

Historiker ortet "Erbfolgekrieg" zwischen ÖVP & FPÖ Höbelt sieht keinen logischen Nachfolger im BZÖ

Haiders Tod verändert politische Landschaft
Österreichs: Steht das BZÖ vor dem Aus? © Bild: APA/Hochmuth

Der Historiker Lothar Höbelt sieht im BZÖ derzeit keinen logischen Nachfolger für den tödlich verunglückten Parteichef Jörg Haider. Haider habe bei der letzten Nationalratswahl die "blauen Leihstimmen" von der ÖVP zurückgeholt, nun sei eine halbe Million Wähler wieder "zu haben". "Wenn die ÖVP jetzt eine Rechtskoalition macht, hat sie gute Chancen, diese Wähler an sich zu binden", so Höbelt: "Der Haidersche Erbfolgekrieg, wenn man ihn geschickt anpackt, kann spannend werden."

Wer das BZÖ auf Bundesebene künftig führen wird, ist noch unklar. Stellvertretende Parteichefs sind Petzner und Ex-Verteidigungsminister Herbert Scheibner. Dass das BZÖ ohne Haider als eigenständige Kraft erhalten bleibt, bezweifelt Höbelt. "Wenn FPÖ und ÖVP rational agieren, sehe ich auf lange Sicht nicht unbedingt eine Nische für das BZÖ", betont der Historiker. Mit einer Mitte-Rechts-Koalition könnten sich FPÖ und ÖVP das Wählerpotenzial des BZÖ teilen, glaubt Höbelt - "wenn die ÖVP rot-schwarz macht, überlässt sie den Kuchen eigentlich der FPÖ".

Höbelt hebt Vorreiterrolle hervor
Als historische Leistung Haiders sieht Höbelt - neben dessen "Katalysatorenwirkung" beim Abbau der Verstaatlichten und der Belebung der politischen Landschaft - seine Vorreiterrolle für die Entwicklung der rechtspopulistischen Parteien in Europa. Haider habe es geschafft, den "Protest von Rechts" mit neoliberalen Strömungen a la Thatcher und Reagan zu kombinieren. Das Ausländerthema sei eigentlich erst dazu gekommen, als die FPÖ in den 90er Jahren schon zur Mittelpartei aufgestiegen war.

"Er ist als herausragende Begabung, die über Österreich hinaus bekannt wurde, nur mit Bruno Kreisky zu vergleichen", sagt Höbelt über Haider. Bleiben wird aus Sicht des FP-nahen Historikers "die Aufwertung des Dritten Lagers über seine ihm quasi zustehende Größe hinaus". In der Zweiten Republik habe es über Jahrzehnte ausgesehen, als wäre das Dritte Lager auf seinen "harten Kern" reduziert worden. Aus dieser Situation habe Haider die FPÖ befreit.

(apa/red)