Haiders Elektroschock: FORMAT über die aggressive Werbekampagne des Verbund

"Ich glaub, den Opa hat der Stromschlag getroffen" Nennt Konkurrenzmarken erstmals mit Namen

Der Verbund kämpft mit einer aggressiven Werbekampagne um die private Kundschaft von EVN, Bewag und Wienstrom.

Es wirkt wie ein subtiler Rachefeldzug. Nur wenige Wochen nachdem der geplante Zusammenschluss zwischen OMV und Verbund am Widerstand der Landeshauptleute von Wien und Niederösterreich gescheitert ist, kämpft Österreichs größter Stromerzeuger in einem ungewohnt aggressiven Werbefeldzug um neue Privatkunden. Adressaten der Kampagne: ausgerechnet die Klientel der niederösterreichischen EVN sowie der Wienstrom, die sich gemeinsam mit der Bewag zur EnergieAllianz zusammengeschlossen haben.

Jetzt bläst der Verbund zum Angriff. Etwa im Radio mit dem Wortlaut: "Ich glaub, den Opa hat der Stromschlag getroffen, als er gehört hat, dass die EVN bei den Energiekosten um bis zu 26 Prozent teurer ist als der Verbund." Bei Wienstrom seien es sogar bis zu 30 Prozent (siehe auch Sujet im Kasten rechts). Verbund-General Hans Haider: "Wir werden weiter offensiv den Endkundenmarkt bearbeiten."

Die in dieser Branche beispiellos harten Töne will man bei der Verbundgesellschaft freilich nicht mit dem gescheiterten OMV-Deal in Zusammenhang sehen. "Wir haben bereits im Vorjahr die strategische Entscheidung getroffen, ins Privatkundengeschäft einzusteigen", erklärt Haider. Doch dass die Konkurrenz seit drei Wochen namentlich genannt wird, ist neu. Mit dem Ergebnis der Werbeoffensive ist Haider sehr zufrieden. Wurden bisher pro Monat 3.000 Neukunden akquiriert, seien es seit Start der Kampagne bereits 5.000 gewesen. Mittlerweile halte man bei rund 35.000 Verträgen mit privaten Haushalten.

Stromregulator Walter Boltz von E-Control sieht den härteren Wettbewerb gerne: "Die Wechselquoten nach der Stromliberalisierung sind in Österreich nach wie vor sehr niedrig, weil bisher niemand offensiv um Kunden geworben hat. Mehr Wettbewerb schadet da gar nicht."

EVN: "Irreführend!"
Die Konkurrenten sehen das naturgemäß anders. EVN-Sprecher Stefan Zach hält die Werbung des Verbund schlicht für irreführend: "Dem Kunden wird der falsche Eindruck vermittelt, er könne sich 25 Prozent seiner Gesamtrechnung sparen. Tatsächlich aber sind es bestenfalls ein paar Euro im Monat." Der Grund dafür: Der Strompreis hat drei Komponenten, den tatsächlichen Energiepreis, die Kosten für die Netznutzung und Steuern und Gebühren. Nur beim Energiepreis, der etwa ein Drittel der Gesamtsumme ausmacht, ist der Verbund dank billiger Wasserkraft um 26 bis 30 Prozent günstiger. Auf den Gesamtpreis bezogen, beträgt die Ersparnis folglich maximal zehn Prozent (siehe auch Grafik). Zach: "Die EnergieAllianz setzt auf Service rund um die Uhr und auf Energieberatung. Schon durch einfache Maßnahmen kann sich jeder Kunde mehr ersparen als durch einen Lieferantenwechsel."

Dass EVN und Wienstrom trotz der aggressiven Kampagne gelassen bleiben, hat zwei Ursachen: Zum einen sind es die schieren Größenverhältnisse, die den Verbund wie einen lästigen Kläffer aussehen lassen. Dessen 35.000 Kunden stehen 800.000 bei der EVN und über 1,2 Millionen bei Wienstrom gegenüber.

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