Haider zieht auch noch nach 22 Jahren:
Günstige Ausgangsbasis für Kärnten-Wahlen

Nach Siechtum des BZÖ wieder ein Lebenszeichen Der Wandel vom Polit-Rebellen zum Staatsmann

Haider zieht auch noch nach 22 Jahren:
Günstige Ausgangsbasis für Kärnten-Wahlen

Jörg Haider hat das BZÖ wieder zum Leben erweckt. War das orange Bündnis seit seiner Gründung im Jahr 2005 außerhalb Kärntens dahingesiecht, ist es seit dem 28. September 2008 eine ernstzunehmende Kraft im ganzen Land. Zu verdanken hat sie dies dem Kärntner Landeshauptmann, der auch nach 22 Jahren in der Spitzenpolitik beim Wähler ankommt.

Haider gab sich im aktuellen Wahlkampf zahmer denn je, als Elder Statesman, der Kärnten zu einer Art Schlaraffenland gemacht hat. Gute Zeitungsnoten für seine Performance in den TV-Duellen taten ihr übriges, um den BZÖ-Chef dem Wähler wieder schmackhaft zu machen. Und dass Haider weiter - höflich gesagt - auf ausländerkritische Sprüche setzt, störte die Österreicher genauso wenig wie eh und je.

Vom Rebellen zu Staatsmann
Den Polit-Rebellen gibt der 58-jährige Haider anno 2008 nicht mehr. Viele Jahre ist er mittlerweile Kärntner Landeshauptmann und das wohl auch noch viele Jahre, wenn man sich die Ergebnisse vom Sonntag ansieht. Dass Kärnten wirtschaftlich gar nicht so toll da steht, ist der Bevölkerung egal. Haider gibt, das Volk nimmt, ohne viel Rücksicht auf den Schuldenstand oder den Ausverkauf des Kärntner Familiensilbers. Dass der Landeshauptmann das Land zur Partyzone gemacht hat, gefällt sichtlich auch.

Dabei sah es vor wenigen Jahren noch so aus, als würde sich die Karriere des gebürtigen Oberösterreichers dem Ende zuneigen. Nach dem Zerplatzen der schwarz-blauen Regierung in Folge des "Putsches" von Knittelfeld und dem "Bin schon weg, bin wieder da" Haiders schien dieser dem politischen Ruhestand zuzusteuern. Als er die direkte Konfrontation mit dem nachdrängenden Heinz-Christian Strache scheute, machte er sich aus der FPÖ auf und davon und wurde mit dem BZÖ orange.

Dort lief lange nichts rund, was unter anderem an den schwächelnden Führungspolitikern des Bündnisses außerhalb Kärntens lag, zusätzlich fehlten die Strukturen. Auch die Verpflichtung des alten Politprofis Peter Westenthaler half da nichts. Nur dank des extrem starken Abschneidens in Kärnten reichte es gerade noch zum Einzug in den Nationalrat vor zwei Jahren. Danach gelang weiter wenig, weder fiel man im Nationalrat auf noch bei Kommunalwahlen. Erst Haiders Entschluss, das Heft noch mal in die Hand zu nehmen, führte nun zum orangen Comeback.

Keine neue Wahl
Dabei ist Haider alles andere als eine neue Wahl. 1986 hatte der junge Charismatiker auf dem Parteitag in Innsbruck FPÖ-Obmann Norbert Steger abgelöst, woraufhin das rot-blaue Experiment scheiterte. In den folgenden Jahren bescherte der einstige Chef des Ringes Freiheitlicher Jugend (RFJ) und studierte Jurist der FPÖ einen enormen Aufstieg, der bis zur Wahl im Herbst 1999 - die FPÖ wurde zweitstärkste Partei - und dem 2000 folgenden Eintritt in die Koalition mit der ÖVP anhielt.

Als sich aber die damalige Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer mitsamt Finanzminister Karl-Heinz Grasser und dem damaligen Klubobmann Westenthaler immer mehr von Haider abnabelten, kam es zum Krach. Dem Wirbel in Knittelfeld folgte der Polit-Abschied der Vizekanzlerin, des Finanzministers und des Klubchefs, danach gab es Kontroversen mit dem aufmüpfigen Wiener Strache und dessen Getreuen. Haider gründete in der Folge das BZÖ. Die weitere Geschichte ist bekannt.

Geboren am 26. Jänner 1950 in Bad Goisern, wandte sich Haider schon als 20-Jähriger der Politik zu. 1970 wurde er RFJ-Bundesobmann, bis zu seiner Übersiedlung nach Kärnten 1976 arbeitete er am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Wien. 1979 zog Haider erstmals in den Nationalrat ein, 1983 wurde er Kärntner Landesobmann, 1986 Bundesparteichef. 1989 avancierte Haider dank der Hilfe der ÖVP zum Kärntner Landeshauptmann, verlor dieses Amt aber 1991 nach seinem Ausspruch über die "ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich", einen seiner rhetorischen "Ausrutscher" zur NS-Zeit. 1999 wurde die FPÖ in Kärnten stärkste Partei und Haider kehrte an die Spitze des Landes zurück.
(apa/red)