Hahn muss Uni-Quote vor EU verteidigen: Motivforschung soll Abwanderung belegen

Erstsemestrige sollen zu ihren Plänen befragt werden Beispiel Belgien: Franzosen wandern nach Studium ab

Hahn muss Uni-Quote vor EU verteidigen: Motivforschung soll Abwanderung belegen

Wissenschaftsminister Johannes Hahn will die Uni-Quoten vor der EU-Kommission mit weiteren Zahlen verteidigen. Neben den bereits vorliegenden Daten aus einer Studie des Österreichischen Instituts für Gesundheitswesen (ÖBIG), wonach Österreich rund 1.000 neue Mediziner pro Jahr brauche, hat das Wissenschaftsministerium nun eine Motivforschung in Auftrag gegeben, sagte die Sprecherin Hahns gegenüber der APA. Damit soll herausgefunden werden, ob die Studenten nach Abschluss des Studiums in Österreich bleiben wollen oder nicht.

Hahn muss vor der EU-Kommission bis 29. Mai Argumente für die Quotenregelung an Medizin-Unis für ausländische Studenten vorlegen. Bis dahin will der Minister beweisen, dass Österreich ein Ärztemangel drohe, sollten die von der EU-Kommission als "diskriminierend" eingestuften Quoten für ausländische Studierende fallen. Gegenüber dem Ö1-"Morgenjournal" sagte Hahn, die ÖBIG-Studie bestätige die Annahme, dass in Österreich ein Ärztebedarf von etwa 1.000 neuen Medizinern pro Jahr gebe. Grund dafür seien etwa Pensionierung oder freie Karenzstellen.

Die medizinische Versorgung sei nur gewährleistet, wenn alle ausgebildeten Mediziner auch in Österreich bleiben, so Hahn. Durch den Wegfall der Quote befürchtet die Regierung bekanntlich eine Schwemme deutscher Studenten, die nach Abschluss des Studiums wieder heimkehren könnten, und dann drohe eben ein Ärztemangel. In den "Salzburger Nachrichten" erklärte Hahn, laut Berechnungen des Wissenschaftsministerium würde eine völlige Freigabe der Mediziner-Plätze für ausländische Studierende dazu führen, dass pro Jahr nur mehr 100 bis 200 Jungmediziner mit österreichischem Pass die Unis verlassen würden.

Anhaltspunkt ist für Hahn "das Beispiel Belgien", dieses habe mit einer Schwemme französischer Studenten zu kämpfen. 70 bis 90 Prozent davon würden wieder zurück nach Frankreich gehen, so Hahn gegenüber dem "Morgenjournal". Der Minister zeigte sich optimistisch, dass er den Beweis erbringen kann, dass auch ein deutlicher Anteil der deutschen Studenten in Österreich nach Studienabschluss wieder zurückgehen würde. Dazu soll eben besagte Motivforschung Daten liefern. Kann Hahn die EU-Kommission bis Ende Mai nicht überzeugen, dann droht ein neuerliches Verfahren vor dem EuGH.
(apa/red)