"Hätte so nicht passieren dürfen": Blair kritisiert Umstände von Saddam-Hinrichtung

Video zeigt: Henker verhöhnten Ex-Diktator vor Tod Irakische Regierung will Vorgänge jetzt untersuchen

Nach Tagen des Schweigens hat sich der britische Premierminister Tony Blair von der Hinrichtung des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein distanziert. Die Umstände, unter denen das Todesurteil vollstreckt wurde, seien "völlig falsch" gewesen, ließ Blair über eine Regierungssprecherin in London erklären. "Das hätte nicht auf diese Weise geschehen dürfen." Zugleich verwies die Sprecherin darauf, dass Saddams Verantwortung für Verbrechen und Todesopfer nicht vergessen werden dürften.

Blair werde in seiner für kommende Woche angekündigten Stellungnahme "keine Überraschung" verkünden, sagte die Sprecherin. Sie ließ offen, wann genau sich Blair äußern wollte. Der Premier steht in Großbritannien seit einigen Tagen in der Kritik, weil er zu der Hinrichtung noch keine persönliche Stellungnahme abgegeben hat. Am Tag der Hinrichtung, dem 30. Dezember, hielt er sich im Urlaub in Florida auf.

Finanzminister Gordon Brown, der Blair wahrscheinlich im September ablösen wird, war dem Premier nun zuvorgekommen: In einem am Sonntag ausgestrahlten BBC-Interview nannte er die Art und Weise der Hinrichtung "bedauerlich" und "absolut inakzeptabel". Außenministerin Margaret Beckett hatte bereits gesagt, Saddam Hussein sei für seine Verbrechen "zur Rechenschaft gezogen" worden. Laut einer britischen Regierungssprecherin sprach Beckett für die gesamte Regierung.

Das Todesurteil gegen Saddam wurde am Galgen vollstreckt. Die Aufnahmen, die ein Augenzeuge mit seinem Mobiltelefon von der Hinrichtung gemacht hatte und auf denen Beschimpfungen und Verhöhnungen zu hören waren, lösten weltweit Empörung aus.

Großbritannien hat 7100 Soldaten im Südirak stationiert. Die Rufe nach einem Abzug der Truppen werden lauter. Brown strebt nach eigenen Angaben eine Reduzierung der Truppenstärke an, will aber an der Militärstrategie - Ausbildung der irakischen Soldaten und Wiederaufbau des Landes - festhalten.

Ungeachtet einer neuen Sicherheitsoffensive in Bagdad sind am Wochenende wieder Dutzende Menschen der anhaltenden Gewalt zum Opfer gefallen. Landesweit meldete die irakische Polizei mehr als 100 Tote. In den USA forderten die im Kongress dominierenden Demokraten Präsident George W. Bush auf, seine Pläne für den Irak umfassend zu rechtfertigen. Bush will in dieser Woche seinen künftigen Irak-Kurs vorstellen.

Der neue Befehlshaber der US-Kampftruppen im Irak rechnet nach eigenen Worten damit, dass die USA in dem Golfstaat noch zwei bis drei Jahre bis zum Erreichen ihrer Ziele benötigen werden. "Der Auftrag besteht nun darin, den Aufstand niederzuschlagen und die irakischen Sicherheitskräfte auszubilden", sagte am Sonntag Generalleutnant Raymond Odierno, der vor einem Monat den Posten als zweithöchster US-Soldat im Irak übernommen hatte. "Die Frage wird sein, ob wir bereit sind, zwei oder drei Jahre zu warten, oder ob wir es beschleunigen wollen."(apa/red)