Habemus Papam von

Ein Papst in Therapie

Meisterlicher "Culture Crash" von "Maestro" Nanni Moretti jetzt im Kino zu bewundern

Habemus Papam - Ein Papst in Therapie © Bild: Polyfilm

Es war bereits ein echtes Highlight der diesjährigen Viennale. Nun kommt der Film „Habemus Papam“ von „Il Maestro“ Nanni Moretti endlich auch ins Kino. Dabei versteht es der Regisseur wieder einmal, sein Publikum mit Charme und schrägen Wendungen zu unterhalten.

"Habemus Papam" erzählt von einem neu gewählten Papst, der sich jedoch ganz und gar nicht dazu berufen fühlt, das Oberhaupt der katholischen Kirche zu repräsentieren. So büxt der mehr als überzeugend von Michel Piccoli (der für die Rolle vorsprechen musste, um dem Regisseur zu zeigen, dass er die italienische Sprache ausreichend beherrscht) dargestellte Geistliche aus und irrt durch Rom, um sich selbst zu finden, während der Vatikan Kopf steht und alle Kardinäle (inklusive Therapeut Nanni Moretti) das Gelände rund um den Petersdom nicht verlassen dürfen - und sich die Zeit mit einem Volleyball-Turnier vertreiben.

Culture-Clash
Dem italienischen Meister gelingt es wieder einmal, ein Thema mit humoristischem Geschick anzufassen und den Zuseher 110 Minuten lang gekonnt zu unterhalten, zum Lachen zu bringen aber auch zum Nachdenken anzuregen. Dabei geht es dem Regisseur gar nicht darum, eine Kritik an der katholischen Kirche anzubringen, sondern eher das Menschliche der Geistlichen zu zeigen, was Piccoli sehr schön zu vermitteln versteht. Die Lacher stammen meist vom Filmemacher persönlich als sich selbst viel zu ernst nehmender, eitler und Ich-bezogener Therapeut bzw. von dessen Interaktion mit den Kardinälen, mit denen er im Vatikan eingeschlossen ist, bis der ausgebüxte Papst wieder auftaucht. Ein Culture-Crash dessen Höhepunkt mitnichten die Volleyball spielenden Kardinäle sind. „Habemus Papam“ ist eine gelungene Komödie, die weit mehr ist als der deutsche Klamauk-Titel „Ein Papst büxt aus“ verspricht.