"Habe mich wieder für Breite entschieden": Schlager geht bei der EM auf Medaillenjagd

Belgrad: Mit Spaß am Spiel zu Tischtennis-Edelmetall Rückenprobleme für Österreicher aber ein Handicap

Der Niederösterreicher Werner Schlager hat bei den am Sonntag beginnenden Tischtennis-Europameisterschaften in Belgrad einiges vor. Der 34-Jährige tritt in allen vier Bewerben an, zumindest dreimal will er in die Medaillenränge. Schlager reist allerdings mit Rückenproblemen an. Mit der APA sprach er über die sich dadurch ergebende mögliche Beeinträchtigung, sein Programm, seine Partner und seine Konkurrenten.

Frage: Herr Schlager, wie ist für Sie das einwöchige Abschluss Trainingslager in Faak/See verlaufen?
Schlager: "Das Training war sehr gut, mein Spiel auch. Es hat Spaß gemacht. Gestört haben ein bisschen die Stromausfälle wegen der Schneefälle, durch die wir auch beeinträchtigt waren. Und durch meine Rückenprobleme habe ich nur rund 50 Prozent der Einheiten bestritten."

Frage: Welcher Art sind diese Rückenbeschwerden, wann sind sie aufgetreten?
Schlager: "Es ist eine Muskelverhärtung und Nervenreizung. Sie resultieren aus einer Überbelastung in der Champions League. Am Tag nach dem Match gegen Granada, dem ersten Tag in Faak, habe ich es erstmals so richtig gespürt. Jetzt bin ich jeden Tag durchgeknetet und behandelt worden. Es wird von Tag zu Tag besser. Wenn ich gar nicht trainiert hätte, hätte es sich sicher schneller gebessert. Aber wir hatten die Schweden als Trainingspartner da, da konnte ich nicht ganz aussetzen."

Frage: Wie sehr beeinträchtigen diese Probleme ihre EM- Chancen?
Schlager: "Den Team-Bewerb spiele ich einmal. Dann muss ich entscheiden, ob ich mich vielleicht auf ein oder zwei Individual-Bewerbe konzentriere. Auf jeden Fall muss ich noch ökonomischer spielen."

Frage: Ist es für Sie nicht grundsätzlich eine große Belastung, alle Bewerbe zu bestreiten?
Schlager: "Ja sicher, in Aarhus vor zwei Jahren bin ich deswegen im Einzel ausgeschieden, da ich vorher den ganzen Tag über in allen Bewerben gespielt hatte. Aber in den anderen Bewerben habe ich eine Medaille gewonnen. Wenn es mein Rücken zulässt, will ich diesmal wieder drei Medaillen, überall zumindest ins Viertelfinale. Mir macht das Spielen einfach so viel Spaß, dass ich mich wieder für die Breite entschieden habe, grundsätzlich alle Bewerbe spielen will."

Frage: Und in welchem rechnen Sie sich die größten Chancen aus?
Schlager: "Im Teambewerb haben wir die nominell stärkste Mannschaft. Aber das sagt überhaupt nichts, wir müssen das auch auf den Tisch bringen. Im Doppel spiele ich mit dem Franzosen Patrick Chila. Da ist viel möglich, wenn wir gut ins Turnier kommen. Auch mit Susi (Anm.: Liu Jia) im Mixed ist es so. Wir konnten leider noch kaum miteinander trainieren, das machen wir vor Ort. Die Harmonie ist wichtig, auch weil Susi sehr viel Platz am Tisch braucht."

Frage: Und im Einzel?
Schlager: "Kreanga, Samsonow und Boll sind sehr stark. Und da gibt es die jungen, hungrigen Spieler wie den Deutschen Owtscharow oder den Russen Skachkow. Samsonow (Anm.: Titelverteidiger) ist in Topform, besser als Timo (Anm.: Boll). Boll hat ein bisschen abgebaut bzw. die anderen sind ihm näher gekommen. Gegen ihn habe ich seit drei Jahren nicht gewonnen. Aber wenn ich öfter gegen ihn spiele, gewinne ich auch mal wieder. Es ist alles für mich möglich, wenn ich gut spiele und die Bedingungen passen."

Frage: Wissen Sie etwas über die Spielbedingungen in Belgrad?
Schlager: "Die waren zuletzt nicht optimal. Aber Charly (Anm.: Schlagers Ex-Doppelpartner Karl Jindrak) hat den Veranstaltern in seiner Funktion beim Internationalen Verband starke Auflagen erteilt. Er ist für Dinge wie die Bandenwerbung und die Ausrichtung von Tischen zuständig. Ich hoffe, dass das jetzt dann passen wird."

(apa/red)