H5N1-Impfstoff: Erfolg mit österreichischer Technologie - erste Tests durchgeführt!

Starke Hinweise auf breit schützende Wirkung

Erfolg mit der von Baxter (ehemals Immuno) in Österreich entwickelten Zellkultur-Technik zur schnellen Herstellung von Impfstoffen: Eine für den Menschen gedachte H5N1-Vogelgrippe-Vakzine wurde in den vergangenen Wochen erstmals an Probanden getestet. Sie war gut verträglich, Labortests wiesen auf eine hohe Schutzrate gegen verschiedene H5N1-Virusstämme von 76 bis 95 Prozent nach zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen hin.

Doch gleichzeitig war bei der Pressekonferenz auch Negatives zu hören: Österreich hat auch nach Jahren von Verhandlungen und einem fertig vorliegenden Vertrag bei Baxter noch immer nicht die Produktionskapazitäten für 16 Millionen Dosen Influenza-Pandemie-Impfstoff gebucht. Der Vertrag werde jetzt von Finanzminister Karl-Heinz Grasser nicht unterschrieben, weil er die nächste Regierung nicht präjudizieren wolle, hieß es.

Ganzvirus-Vakzine hoch immunogen
"Es ist klar: Die (Influenza-)Pandemie kommt. Niemand weiß, wann. Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass es brennt. Wir bereiten uns auf die größte anzunehmende medizinische Katastrophe vor", sagte bei der Pressekonferenz zu der Entwicklung von Vogelgrippe- bzw. Pandemie-Impfstoffen der Wiener Sozialmediziner Univ.-Prof. Dr. Michael Kunze.

Baxter dürfte nach jahrelanger Arbeit die Mittel dazu in der Hand haben. Der federführend an der Entwicklung solcher Vakzine arbeitende Spezialist Univ.-Doz. Dr. Noel Barrett: "Influenza-Vakzine werden heute auf der Basis bebrüteter Hühnereier hergestellt. Das ist die Technologie unserer Großväter. Wenn es zu einer H5N1-Pandemie kommt, könnte es vielleicht keine Hühner mehr geben. Keine Hühner, keine Eier, kein Impfstoff."

Noch bei Immuno wurde deshalb von Barrett und seinen Mitarbeitern - ehemals für einen eventuellen Aids-Impfstoff - eine Technik entwickelt, bei der die Antigene für Vakzine in infizierten Zellkulturen (Verozellen) produziert werden. Barrett: "Wir sind komplett unabhängig von Hühnereiern. Wir sind auch wesentlich schneller. Wenn wir von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) im Falle einer Influenza-Pandemie den isolierten Virus-Stamm zur Verfügung gestellt bekommen, können wir binnen zwölf Wochen den Impfstoff liefern." Die Produktion auf Hühnereiern würde mindestens acht Wochen länger dauern. Im Falle einer solchen Krise wäre aber die möglichst sofortige Verfügbarkeit einer Vakzine entscheidend.

Genau einen solchen Impfstoff - auf der Basis des in den vergangenen Jahren auch auf Menschen "übergesprungenen" H5N1-Vogelgrippe Virus aus Vietnam (A/Vietnam/1203/2004) - haben Barrett und sein Team entwickelt. In ihm sind in der Zellkultur produzierte und dann abgetötete ganze Viren enthalten. Schon die Tierversuche wiesen auf eine hohe Schutzrate (bis zu 100 Prozent) gegen diesen und andere H5N1-Virus-Varianten hin. In den vergangenen Wochen erfolgte in Wien (AKH) und in Singapur die erste Erprobung an Menschen. Im Rahmen der Phase I/II-Tests ging es zunächst um die Testung der Verträglichkeit und der Immunogenität (Hervorrufung einer Abwehrreaktion).

Niedrige Dosierung immunogen
Dr. Hartmut Ehrlich, Vizepräsident für Forschung und Entwicklung bei Baxter, zeigte sich über die Ergebnisse der ersten klinischen Studie an Probanden mit der H5N1-Vakzine hoch zufrieden: "Wir haben 270 gesunde Erwachsene im Alter zwischen 18 und 45 Jahren mit zwei Dosen Impfstoff in einem Intervall von 21 Tagen immunisiert. Drei Wochen nach der ersten und der zweiten Impfung erfolgten die Blutabnahmen. Erstens zeigte sich eine ausgezeichnete Verträglichkeit." Die Nebenwirkungen wie Müdigkeit, kurze Fieberreaktion, Schwellungen an der Einstichstelle waren vergleichbar mit jener des "normalen" Influenza-Impfstoffes.

Die Probanden erhielten je Impfung 3,75, 7,5, 15 oder 30 Mikrogramm (Millionstel Gramm) der H5N1-Antigene (abgetötete Viren). Dabei kam teilweise auch das aus der Impfstoffproduktion seit Jahrzehnten bekannte Adjuvans Aluminiumhydroxid als Verstärker zum Einsatz.

Das zweite und ebenso wichtige Resultat laut Ehrlich: "Wir haben eine ausgezeichnete Immunogenität beobachtet. Die Dosierung von 7,5 Mikrogramm bewirkte (nach den zwei Impfungen, Anm.) eine schützende Antikörperantwort von 76 Prozent gegen das im Impfstoff verwendete H5N1-Virus aus Vietnam." Das Adjuvans hatte offenbar keinen zusätzlichen Effekt.

Doch auch gegen mit dem Vietnam-Virus entfernter verwandte H5N1-Viren wirkt die Vakzine offenbar. Der Experte: "Gegen das H5N1-Virus Hongkong/156/1997 zeigte sich eine Schutzrate von 95 Prozent und gegen den Indonesien-Stamm (A/Indonesia/05/2005) eine von 72 Prozent." Diese entsprechen oder übertreffen die Ergebnisse, die normalerweise mit den herkömmlichen und jährlich neu formulierten Influenza-Vakzinen zu erreichen sind. Jetzt wird schon eine groß angelegte echte Wirksamkeitsstudie mit rund 500 Probanden geplant.

Freilich, diese Erfolge helfen nichts, wenn sich Österreich nicht entschließen kann, für eine allfällige Influenza-Pandemie den dann schnellstens neu erzeugten Impfstoff vorzubestellen. Der Vertrag - so hieß es am Rande der Pressekonferenz - hänge jetzt bei Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der die Unterschrift verweigere. Der österreichische Pandemie-Plan sieht für den Fall des Falles den Schutz aller Österreicher durch eine Vakzine auf Zellkultur-Basis vor.

Sozialmediziner Univ.-Prof. Dr. Michael Kunze: "Das können ja nur bürokratische Kinkerlitzchen sein. Das kann ja nur Larifari sein. (...) Die Impfung für den Fall einer Influenza-Pandemie kostet (pro Person, Anm.) in der Größenordnung in etwa zwei Packungen Marlboro-Zigaretten, weniger als ein billiger Nagellack." (apa)