Gutachter in Bedrängnis: Die zahlreichen
Fehlgutachten & die Folgen für Schuldlose

NEWS: Die Irreführungen mancher Gerichtsgutachter PLUS: Das Interview mit Psychiater Reinhard Haller

Gutachter in Bedrängnis: Die zahlreichen
Fehlgutachten & die Folgen für Schuldlose © Bild: NEWS/Deak

Können Gerichtsgutachter irren? Sie können, wie NEWS als erstes Medium aufdeckte und bereits im Juli berichtete, dass eine "unwissenschaftliche Expertise" des Kinderpsychiaters Max Friedrich einen jungen Kärntner 21 Monate lang schuldlos ins Gefängnis gebracht hatte. Der "Fall Albin K." - er hat nun österreichweit für Schlagzeilen gesorgt. Aber diese Causa dürfte nicht die einzige sein, die dem Professor zum Verhängnis werden könnte.

So kämpft auch Werner K., ein gebürtiger Steirer, seit Jahren gegen eine, wie er meint, "Fehldiagnose" Friedrichs an, auf Grundlage derer er fünf Jahre lang hinter Gittern gewesen war. Die Vorgeschichte dazu: 2000 machte eine - diagnostiziert psychisch kranke - 17-Jährige gegen den Hoteldirektor eine Anzeige, wegen sexuellen Missbrauchs. Friedrich attestierte dem Mädchen Glaubwürdigkeit, Werner K. wurde verurteilt. Mittlerweile jedoch haben vier weitere Gerichtssachverständige ebenfalls Expertisen über den Geisteszustand des angeblichen Opfers verfasst. Ihr einhelliger Schluss: Die junge Frau leidet an einer schweren Persönlichkeitsstörung, es besteht der dringende Verdacht, sie habe die "Vergewaltigungsgeschichten" frei erfunden.

Weiterer unfassbarer Fall
Ein Vater hatte einst einen furchtbaren Verdacht - und einen Plan, der alles ins Reine bringen sollte. Seine sechsjährige Tochter, so glaubte er, würde vom neuen Partner seiner Exfrau missbraucht. Im Sommer 2003 entführte er das Mädchen deshalb nach Zypern, drehte dort von der Kleinen ein Video, in dem sie schlimme Dinge über den nunmehrigen Partner ihrer Mutter erzählte, und schickte das Band nach Wien - zu jemandem, der ihm quasi einen Persilschein für sein Vorgehen liefern sollte: Professor Max Friedrich.

Und der kam auch in einem Befund in der Ferne rasch zum Schluss, "dass der schwerwiegende Verdacht des Missbrauchs vorliegt" und dass es nicht sinnvoll sei, "das Mädchen an die Kindesmutter auszufolgen". Beim darauffolgenden Prozess standen deren Chancen nicht besser. Die Gerichtsgutachterin war, wie sich später zeigte, eine ehemalige enge Mitarbeiterin Friedrichs und sachlich ganz der Meinung ihres Förderers. So entschied das Gericht, das Kind lieber in ein Heim zu stecken, als es in der Obhut der Mutter zu lassen. Erst ein halbes Jahr später stand fest, dass der Kindesvater unter Wahnvorstellungen litt und alle Missbrauchsvorwürfe aus der Luft gegriffen waren.

Manipulierend und schlampig
Tatsachen mit seinen Gutachten schafft auch der Salzburger Psychologe Egon Bachler. Oft zum Leid der Begutachteten - wie einige von ihnen über Richard Maier, Obmann des Vereins "Kindergefühle", NEWS zutrugen. "Was wir Herrn Bachler vorwerfen", so Maier, "ist, dass er Gutachten manipuliert und schlampig arbeitet." Auch Maier selbst ist ein Betroffener: Die Causa des 43-jährigen Salzburgers wurde im Rahmen eines Sorgerechtsstreits um die Kinder nach der Scheidung von Bachler begutachtet. Schließlich kam Maier über seine Vereinsarbeit und verzweifelte Eltern drauf, dass der Sachverständige die gleichen Passagen, die in seinem Gutachten verwendet wurden, einfach in andere Expertisen hineinkopierte.

Dass selbst Grafologen nicht über jeden Zweifel erhaben sind, musste Erich F. feststellen. Ihm wurde vorgeworfen, einen Wechsel aus Dubai gefälscht zu haben. Die Gutachterin "traute ihm dies zu", da seine Handschrift denselben Linksdrall aufweist wie die gefälschte. Da macht es wenig, dass F. kein Wort Arabisch schreiben kann. Ins Gefängnis ging er, obwohl ein Gegengutachter feststellte, die Sachverständige habe "spekulativ überlegt statt objektiv befundet".

Den gesamten Bericht lesen Sie im aktuellen NEWS 38/2008