Tierschutz von

Gut Aiderbichl:
Zwei wie Hund und Katz

Tierschutz - Gut Aiderbichl:
Zwei wie Hund und Katz © Bild: Ricardo Herrgott

Hinter den Kulissen von Gut Aiderbichl: Wie ein belangloser Zufall und ein brutales Schicksal aus Dieter Ehrengruber Österreichs wichtigsten Tierschützer machten

Was waren das nur für völlig konträre Welten, die da im Sommer 1998 zwischen Salzburger Altstadt und begrünter Vorstadt in der Hellbrunner Allee aufeinanderprallten -und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Der einen entstammte Dieter Ehrengruber, ein 21-jähriger Sportstudent aus der tiefsten oberösterreichischen Provinz, der eigentlich nur eine Runde joggen wollte. Der anderen entstammte Michael Aufhauser, der polyglotte Münchener Mittvierziger, der eigentlich nur mit seinem unüberschaubar großen Hunderudel Gassi gehen wollte.

Doch ein paar der Vierbeiner hatten sich selbstständig gemacht, und Aufhauser, sonst die Contenance in Person, rief aufgebracht: "Meine Hunde, meine Hunde!" Ehrengruber half, die übermütigen Viecherl wieder zusammenzuführen - und so kamen auch die beiden Zweibeiner ins Gespräch. Und blieben es.

Aufhauser war damals noch "Vice President of Product Development" in Diensten eines großen amerikanischen Tourismusunternehmens. Sein Job: die Welt aktiv zu bereisen und eingehend zu bestaunen, um aus seinen ganz persönlichen Erlebnissen dann zugkräftige Urlaubsangebote für die Massen zu stricken. Bis zu seinem persönlichsten Erlebnis - jenem, das keine weiteren Gedanken an Urlaub mehr zuließ.

In Malaga, Spanien, wurde er auf einen Hundefänger aufmerksam, der mit einer Schlinge Jagd auf einen der bellenden Straßenstreuner machte, diesen schließlich brutal einfing und in einem heillos überfüllten Hundetransporter in eine Art Barackenlager verbrachte. Aufhauser folgte wie in Trance dem knatternden Motor des Pritschenwagens und dem kläglichen Gewinsel von der Plattform -und wurde Augenzeuge einer Tiervergasung: Ein Ofen mit Glasfenster stand da, in dem Hunde und Katzen ohne vorherige Betäubung getötet wurden. Aufhauser sprach mit den Verantwortlichen und kaufte an die 40 Hunde vor ihrer Exekution frei. Und genau diese Momente, als die geretteten Tiere an ihm hochsprangen, ihn ableckten, die veränderten sein Leben. Und seine Lebensaufgabe. "Erst wenn es gelingt, Tiere nicht mehr schützen zu müssen, sind wir am Ziel", so sein neues Leitmotiv, "denn dann haben wir etwas verändert: uns."

Gnadenloser Alltag

Den tierquälerischen Teil der Menschheit zu verändern, war fortan das übergelagerte, unerreichbare Ziel, und Michael Aufhauser wurde in Henndorf, vor den Toren Salzburgs, zum Sisyphus seines 2001 gegründeten Gnadenhofs Aiderbichl. Doch die Veränderung im Kleinen, im Einzelnen, die funktionierte. Denn sie führte zurück zu Zufallsbekanntschaft Dieter Ehrengruber, dem Jogger von der Hellbrunner Allee.

"Bis zu meinem 15. Lebensjahr", erzählt Ehrengruber, "wusste ich noch nicht einmal, was Tierschutz überhaupt ist." In der Hermetik eines Bauernhofs im Mühlkreis war er aufgewachsen, an einem Platz, wo die Tiere Erfüllungsgehilfen in einem gnadenlos harten Alltag waren, Arbeitsmaschinen aus Fleisch und Blut, aber ohne Seele. "Auch für mich waren Tiere lange nur eine Sache. Auf den Gedanken, dass sie schützenswerte Geschöpfe sind, wäre ich alleine nicht gekommen." Doch dafür war plötzlich Aufhauser da, der den jungen, unbekümmerten Ehrengruber auf Anhieb mochte und ihm beim Aufbau seines Tierschutz-Imperiums immer mehr und immer wichtigere Aufgaben bis hin zur Geschäftsführung übertrug. "Er übernahm die Mentorenrolle und in weiterer Folge fast schon eine Art Vaterrolle", erinnert sich Ehrengruber.

»Ich wusste bis zu meinem 15. Lebensjahr nicht, was Tierschutz überhaupt ist«

"Michael war stets der Visionär, der fünf Schritte vorausdachte, ich der Pragmatiker, der darauf achtete, dass die Risiken überschaubar blieben." Aufhauser, das war großes aristokratisches Kino samt Butler mit weißen Handschuhen, spanischem Hofzeremoniell und Freunden wie Eliette von Karajan oder den Fürsten des Hauses Thurn und Taxis. Ehrengruber, das war der Mann, der wusste, wie man mit dem Kärcher Ställe ausmistet -und mit Dienstleistern so bauernschlau verhandelte, dass sie von Aufhauser nicht 20 bis 30 Prozent zu viel kassierten.

Es waren zwei wie Hund und Katz, die sich da zu einem der größten spendenfinanzierten Tierprojekte Europas zusammengefunden hatten. 30 Höfe in sechs Ländern laufen bereits unter der Trademark "Gut Aiderbichl", alleine den Stammhof in Henndorf haben bisher mehr als 2,5 Millionen Menschen besucht, die Lieferantenumsätze der letzten zehn Jahre (allein in Österreich) liegen bei 53 Millionen Euro.

Doch vor nunmehr vier Jahren änderten sich plötzlich die Rollen: Aneurysma an der Aorta und mehrere Schlaganfälle, neun Stunden Operation bei einer Überlebenschance von drei Prozent -180 Tage lag Aufhauser im Krankenhaus, und Ehrengruber besuchte ihn jeden Tag. Aufhauser überlebte wie durch ein Wunder. "Doch er ist seither blind und halbseitig gelähmt und will nur noch Privatmensch sein", sagt Ehrengruber.

Und so wurde er, ob er nun wollte oder nicht, über Nacht zum Alphatier der Gnadenhöfe. Zu dem, der all die prominenten Tierpaten und kleinen Spender hofiert. Und der an diesem Samstag wieder den großen Ostermarkt von Aiderbichl eröffnen wird. Er spricht für die Tiere. Und für jenen Mann, der sein Leben veränderte.

Der große Ostermarkt Von 6. bis 28. April findet auch heuer wieder der traditionelle Ostermarkt am Gut Aiderbichl Henndorf statt. Alle Infos: www.gut-aiderbichl.com

Dieser Artikel erschien ursprünglich im News 14/19

Kommentare

Mailyn P.

Aber zur Brutalität mit welcher in Österreich Tiere geschächtet werden dürfen hört man auch von den Aiderbichlern nichts. Denn Schächten heißt den Tieren bei vollem Bewusstsein den Hals zu durchschneiden. Ohne vorheriger Betäubung. Und warum? Weil ÖVP, SPÖ, Grün, NEOS und Jetztpilz vor der IKG und IGGIÖ in die Knie gehen.

Ein wahrlich schöner Artikel in dieser von brutalen Headlines dominierter Zeit. Danke! Gute Menschen erkennt man an ihren Taten. Weiterhin alle Gute diesem Projekt!

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