Gusis Endspiel und Molterers Kampfansage:
Steht die Koalition bereits auf der Kippe?

PLUS: Wann wird Werner Faymann Kanzler? Die SPÖ-Spitze setzt jetzt alles auf eine Karten

Gusis Endspiel und Molterers Kampfansage:
Steht die Koalition bereits auf der Kippe? © Bild: APA

Die Fronten. Faymann muss nun gegen neue SP-Feinde und die ÖVP kämpfen. Warum derzeit alles Richtung Neuwahl im Herbst läuft.

So ein Parteichef hat es im Allgemeinen schon nicht leicht. In diesem speziellen Fall – in die­-ser spe­ziellen Partei mit dem ­selbstmörderischen Hang – ist er schon gar nicht zu beneiden. Noch ehe er formal gewählt ist, noch ehe 24 Stunden seit seiner Designierung verstrichen sind, lauert bereits hinter fast jedem Baum ein mutmaßlicher Königsmörder – mal ein schwar­zer, mal ein roter. Mal einer, der den neuen roten Steuermann in den eigenen Reihen ausrutschen lassen will, mal ­einer, der ihn in Neuwahlen stürzen möchte – auch um den Preis des eigenen (Mit-)Untergangs. Werner Faymann überraschte vergangenen Montag schließlich Freund und Feind. Immerhin spielte er bei ­Alfred Gusenbauers Überraschungscoup mit und übernimmt schon jetzt, in fliegendem Wechsel, den Partei­­vorsitz der krisengebeutel­-
ten Roten. Statt zuzuschauen und ab­zuwarten, wie er scheibchenweise von seinen liebevollen Parteifreunden demontiert wird, setzte Gusenbauer zum Gegenschlag an. Er holte sich just jenen Mann in sein Boot, durch den ihn seine zahlreichen Gegner ablösen wollten.

Eine Überlebenstaktik , mit der der umstrittene Kanzler noch Zeit gewonnen hat. Und mit der Faymann sich aus der für ihn von einigen SPÖ-Granden vorgesehenen Rolle als Bru­­tus befreien konnte. Fay­mann, der als derzeit aussichtsreichster SP-Spitzenkandidat gilt, setzt alles auf eine Karte: Er kann für die Partei und sich selbst die Nummer eins und die Kanzlerschaft behaupten oder aber mitten im SPÖ-Drama mitstürzen, wie es etwa sein väterlicher Mentor, Altbürgermeister Helmut Zilk, nun befürchtet. Ein Schicksal, das ihm andere hingegen ­mittlerweile vielleicht sogar wünschen. Immerhin wurden die roten Gusenbauer-Gegner ja öffentlich vorgeführt und schwer düpiert. Ein Umstand, der sie nun auf Rache sinnen lässt – und zwar an beiden ­Herren.

Blamierter „starker“ Mann. Und ein Umstand, der schwere ­Ex­plosionsgefahr für die ­Ko­ali­tion bedeutet – so oder so. Denn einerseits wurde niemand Geringerer als der vermeintlich stärkste Mann der SPÖ blamiert: Wiens Bürgermeister Michael Häupl. Häupl hatte schließlich bis unmittelbar vor der brisanten Prä­si­diumssitzung (siehe Story Seite 22) eine Ämtertrennung als „Schnaps­idee“ bezeichnet und auch in der laufenden Sitzung noch die Doppellösung ver­hindern wollen. Vergebens. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Und so ist nun eben in diversen Medien vom „Feigling“ und der „Entzauberung des Michael Häupl“ die Rede. Und auch in den eigenen Reihen freuen sich einige über den „schweren Dämpfer“ für den bisherigen Königsmacher.

Wer Häupl kennt , weiß ­freilich, dass der Taktiker der Macht das nicht auf sich sitzen lassen wird. Und Häupl ist längst nicht der Einzige, der den alten Freunden Gusenbauer und Faymann das Leben ab jetzt schwer machen will. Der angeschlagene rote Bundeskanzler hat mit seinem ­machiavellistischen Schachzug allerdings noch einmal – nun freilich gemeinsam mit seinem vermeintlichen Gegenspieler Faymann – das Gesetz des ­Handelns übernommen. Und für sich selbst zumindest noch für ein paar Monate den geliebten Kanzlersessel gerettet. Darauf, wie lange er noch als Kanzler am Ballhausplatz vorfahren darf, will derzeit in der SPÖ freilich keiner wetten. Sein Image sei einfach zu schlecht, wiederholen selbst jene gebetsmühlenartig, die von der öffentlichen und da­mit „der gesamten Partei gefährlich schädlichen Gusenbauer-Debatte“ wenig halten.

Gusenbauer selbst will freilich nach seinem taktischen Coup nicht nur kurzfristig überleben. Dass er seine vielen Gegner so austricksen konnte, hat seine Hoffnungen, auch ­gegen die ÖVP zu reüssieren, wiederbelebt. Einfach – freund­lich umschrieben – wird es ­dennoch nicht; weder für ihn noch für seinen potenziellen Nachfolger als Kanzler, Fay­mann. Sie müssen nun schließlich ihre schwer frustrierte und nicht mehr sonderlich koali­tionswillige Basis wieder be­ruhigen. Und vor allem: in der Koalition endlich überzeugende Resultate präsentieren. Faymann, der bisherige rote Regierungskoordinator mit dem prächtigen Verhältnis zu seinem schwarzen Pendant ­Josef Pröll, sagt es selbst: Die SPÖ werde „ihre Positionen einschärfen“.
Gusenbauer selbst wird wohl in der Koalition auch ­härter auftreten (müssen).

Die ganze Story finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin!