Gusenbauer versteht Schmieds Ärger: Brief von Molterer sei 'unsaubere Vorgangsweise'

Unterrichtsministerin reagierte auf Brief sehr pikiert Denn: Schriftverkehr zu Bediensteten sei nicht üblich

Gusenbauer versteht Schmieds Ärger: Brief von Molterer sei 'unsaubere Vorgangsweise'

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zeigt ein "gewisses Verständnis" für den Ärger von Unterrichtsministerin Claudia Schmied über den Lehrer-Brief von Vizekanzler Wilhelm Molterer. Es habe sich um eine "nicht ganz saubere Vorgangsweise" gehandelt, meinte der SP-Chef vor Beginn des Parteipräsidiums. Denn es sei doch unüblich, dass sich ein Regierungsmitglied direkt an die Bediensteten eines anderen Ressorts wende.

Molterer hatte sich in einem offenen Schreiben an die Pädagogen gewandt, in dem er sein Verständnis für die schwere Arbeit der Lehrer zeigte und sich unter anderem dafür einsetzte, dass ein Vertrag zwischen Schulen und Eltern geschlossen wird, der Väter und Müttern zu gewissen Verhaltensregelungen verpflichten soll - etwa dazu, dass sie dafür sorgen, dass das Kind pünktlich in die Schule kommt und die Hausaufgaben erledigt. Der Molterer-Brief soll nun von schwarzen Gewerkschaftern auch noch an die Lehrer verteilt werden.

Schmied hatte auf dieses Schreiben pikiert reagiert: "So kann es nicht gehen, dass ein Ressortminister an die Verantwortungsträger eines anderen Ressorts schreibt."

Lehrer-Post für Molterer
Neue Brieffreunde hat Molterer mit seinem Schreiben in jedem Fall gefunden. Die Lehrer haben begonnen, ihrerseits Molterer zurückzuschreiben - unter anderem haben die Unabhängigen GewerkschafterInnen in der GÖD (UGÖD) die Idee der Kommunikation per Brief aufgegriffen. In seiner Antwort verlangt der UGÖD-Vorsitzende und Lehrer Reinhart Sellner unter anderem "keine Belobigungen und keine Appelle, sondern die Bereitstellung der erforderlichen Budgetmittel für die Schule und für Schulreformen, die auf qualitative Verbesserungen für alle Kinder abzielen, auf individuelle Förderung und soziale Integration".

Wenig Freude mit dem Brief Molterers haben auch Elternvertreter. "Briefe von PolitikerInnen an einzelne Schulpartnergruppen - egal ob an Eltern, SchülerInnen oder LehrerInnen - sind nicht hilfreich", so der Vorsitzende des Landesverbandes Wien der Elternvereine an den öffentlichen Pflichtschule, Andreas Ehlers. Diese könnten als Einmischung in von der ÖVP hochgehaltene autonome schulpartnerschaftliche Vorgänge aufgefasst "oder noch schlimmer als Versuch, die unterschiedlichen Interessenslagen gegeneinander auszuspielen, verstanden werden". Lehrer, Eltern und Schüler seien durchaus in der Lage, direkt miteinander zu sprechen.

(APA/red)