Gummigeschosse und brennende Reifen:
Proteste in Ägypten halten in der Nacht an

Bisher drei Demonstranten und ein Polizist gestorben Friedensnobelpreisträger ElBaradei landete in Kairo

Gummigeschosse und brennende Reifen:
Proteste in Ägypten halten in der Nacht an © Bild: Reuters

In Ägypten reißen die Proteste gegen Präsident Mubarak auch den dritten Tag in Folge nicht ab. In der Nacht zum Donnerstag versammelten sich kleinere Gruppen von Demonstranten in der Hauptstadt Kairo und in Suez. Polizeikräfte versuchten, sie auseinanderzutreiben. In Aufrufen im Internet wurden weitere Demonstrationen nach den Freitagsgebeten angekündigt. Unterdessen ist der frühere ägyptische Oppositionelle und Friedensnobelpreisträger ElBaradei in Kairo eingetroffen. Der frühere Chef der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA/IAEO) will sich an die Seite der Demonstranten stellen.

Er hat sich nach einem Bericht des Fernsehsenders Al Arabiya bereiterklärt, unter bestimmten Umständen eine Übergangsregierung zu führen. Bei seiner Ankunft wies ElBaradei kritische Fragen zurück, warum er erst nach tagelangen Protesten mit mehreren Toten nach Ägypten zurückkehre. "Es ist ein Prozess", sagte er. Ägypten stehe an einem Scheideweg. "Eine Hand ist ausgestreckt, aber die Führung muss verstehen, dass Wandel absolut notwendig ist." Es gebe keinen Weg zurück. Der Friedensnobelpreisträger gilt als möglicher Herausforderer von Mubarak bei der Präsidentenwahl Herbst dieses Jahres.

Demonstranten fordern Rücktritt Mubaraks
Am Mittwoch waren erneut Tausende Menschen in Kairo und anderen Städten auf die Straße gegangen. Sie forderten den Rücktritt Mubaraks, der seit 1981 regiert. Polizisten feuerten Augenzeugen zufolge mit Gummigeschossen in die Menge und schlugen mit Gummiknüppeln zu. Demonstranten zündeten Reifen an und warfen Steine auf die Polizei. In Suez setzten sie ein Regierungsgebäude in Brand.

Bei den Auseinandersetzungen starben seit Dienstag mindestens drei Demonstranten und ein Polizist. Widersprüchliche Informationen aus dem Umfeld der Sicherheitskräfte gab es zum Tod eines Polizisten und einer Zivilistin am Mittwoch. Demnach hieß es zunächst, die beiden seien bei den Demonstrationen ums Leben gekommen. Ein anderer Vertreter der Sicherheitskräfte widersprach dieser Darstellung später und nannte einen Verkehrsunfall als Ursache.

Tausend Menschen festgenommen
Seit Beginn der Proteste sind nach Angaben der Sicherheitskräfte bereits tausend Menschen festgenommen worden. Seit Dienstag seien landesweit mindestens tausend Menschen in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte der Nachrichtenagentur AFP.

Spindelegger besorgt um Austro-Urlauber
Angesichts der Spannungen in Ägypten sorgt sich Außenminister Spindelegger um österreichischen Urlauber im Land. Für eine Reisewarnung sei es zwar noch zu früh, das Außenministerium verfolge die "gespannte Lage" in Ägypten aber besonders aufmerksam, sagte Spindelegger. Nach Informationen des Außenministeriums halten sich derzeit 1.300 österreichische Urlauber in den ägyptischen Touristenzentren Luxor, Hurghada und Sharm el-Sheikh auf.

(apa/red)