Gruppe E: Ghana - 1. WM-Teilnahme der
Black Stars bringt Afrikaner ins Achtelfinale

Gegen Brasilien fehlte schließlich das nötige Glück

Zum ersten Mal bei einer WM und dann gleich im Achtelfinale: Der Auftritt der Black Stars aus Ghana war wirklich erste Sahne. Auch gegen Brasilien setzten die Afrikaner Akzente, scheiterten schließlich aber an der mangelnden Chancenauswertung. Das Ergebnis von 0:3 war schließlich alles andere als verdient, denn die Black Stars konnten die Selecao über weite Strecken fordern und sogar dominieren.

Auch wenn es in ihrem ersten Spiel auf der großen WM-Bühne für die Afrikaner eine bittere 0:2-Niederlage gegen Italien setzte, konnte Ghana dem klaren Favoriten durchaus Paroli bieten und über weite Strecken mithalten. Dass das Spiel schließlich so endete geht auch auf die Kappe von Verteidiger Kuffour, der sich kurz vor Schluss einen riesigen Patzer erlaubte. Im zweiten Spiel kam es aber zur großen Auferstehung: Gegen Tschechien begeisterten die Black Stars mit einer großartigen Leistung und einem höchst verdienten 3:0-Sieg. Damit legten die Afrikaner vor dem Match gegen die USA, dass sie mit 2:1 gewannen, den Grundstein für den Aufstieg ins Achtelfinale.

Am 8. Oktober 2005 hat ein jahrzehntelanges Warten für Ghana ein Ende gehabt. Mit einem 4:0 über die Kapverdischen Inseln besiegelte die Nationalmannschaft die erstmalige Teilnahme an der WM-Endrunde. Dabei waren die "Black Stars", die viermal beim Afrika-Cup triumphiert hatten, häufig als Favoriten in die Qualifikation gegangen, jedoch immer gescheitert.

Die FIFA kürte das Team Ghanas zum "Aufsteiger des Jahres 2005". Dabei hat das an die Elfenbeinküste und Togo grenzende Land zwei bewegte Jahre hinter sich. Die Qualifikation begann für Ghana mit einer 0:1-Niederlage in Burkina Faso. Nur wenig später nahm Teamchef Mariano Barreto unvermittelt seinen Hut, Nachfolger Ratomir Dujkovic legte sich dann gleich mit der Mannschaft an und schmiss Kapitän Samuel Kuffour zwischenzeitlich aus dem Kader. Beim Afrika-Cup im Jänner setzte es für Ghana zudem eine herbe Enttäuschung, schied das Team bereits in der Vorrunde aus.

Allen Aufregungen zum Trotz schaffte Ghana, das als erstes afrikanische Land 1957 den Weg in die Unabhängigkeit fand, die Qualifikation für die WM. Ganz überraschend kam der Erfolg der "Black Stars", wie das Team der Nationalflagge wegen genannt wird, aber nicht. Denn an guten Fußballern mangelte es Ghana nie, wohl aber an Teamfähigkeit der Spieler. Zu oft waren inner-mannschaftliche, geographisch bedingte Streitigkeiten ein unüberwindbares Hindernis am Weg zum Erfolg.

Die derzeitige Generation scheint sich in dieser Hinsicht von ihren Vorgängern emanzipiert zu haben. Die meisten kennen sich bereits aus diversen Nachwuchs-Auswahlen, mit denen Ghana unter anderem U17-Weltmeister (1995) und U20-Vizeweltmeister (2001) geworden war. Fast alle Spieler verdienen ihr Geld zudem im Ausland, auch wenn nur wenige bei großen Vereinen unter Vertrag stehen. (apa/red)