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Grundeinkommen: Warum
der Test gescheitert ist

Soziales - Grundeinkommen: Warum
der Test gescheitert ist © Bild: iStockPhoto.com/andrej_k

Das bedingungslose Grundeinkommen bleibt ein vieldiskutiertes Thema. In fast allen EU-Ländern werden wilde Theorien gewälzt, nur Finnland hat bereits ein erstes Experiment hinter sich. Und das Grundeinkommen damit mehr oder weniger ad acta gelegt. Absolut unberechtigt, meinen jetzt Forscher und erklären, warum der Test wirklich gescheitert ist.

Die Resultate des finnischen Pilotprojekts zum bedingungslosen Grundeinkommen waren ernüchternd: Es würde sich zwar positiv auf die Gesundheit der Arbeitslosen auswirken, eine Rückkehr auf den Arbeitsmarkt würde dadurch aber nicht beschleunigt.

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Der auf zwei Jahre angelegte Großversuch zum bedingungslosen Grundeinkommen war im Dezember 2018 zu Ende gegangen. Eine zufällig ausgewählte Testgruppe von 2.000 Arbeitslosen erhielt in dieser Zeit steuerfrei jeden Monat 560 Euro, ohne dass diese Zahlung an Bedingungen geknüpft war.

Von Anfang an fehlerhaft konzipiert

So löblich das Engagement der Finnen sein mag, sei die Versuchsanordnung völlig überstürzt gewesen und würde zu falschen Schlussfolgerungen auf die zweijährige Testphase führen.

Ernsthafte Mängel der Studie wurden schon früh von Forschern attestiert. Hinzu kommt die Problematik, dass die Stimmung finnischer Politiker gegen das Grundeinkommen als Förderer schlechter Arbeitsmoral zunahm und in weiterer Folge weniger Mittel veranschlagt worden sind als geplant waren.

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Ursprünglich wollte man das Experiment mit 10.000 Teilnehmern durchführen, die jeweils 1.000 Euro pro Monat erhalten sollten. Das vom Staat freigegebene Budget betrug allerdings nur 20 Millionen Euro, weshalb sich diese Zahl an Teilnehmern nicht ausging.

Sehr geringe Aussagekraft

Hinzu kommt, dass die Teilnehmer auf Arbeitslose beschränkt worden sind, obwohl das Grundeinkommen grundsätzlich für alle Personen gedacht und somit ein Testgruppe komplett ausgeblendet worden sei. Diejenigen, die das Grundeinkommen wiederum erhalten hätten, hatten kaum mehr Geld in der Tasche als mit den zuvor erhaltenen Sozialleistungen.

Letztlich habe es bei der Auswertung noch ein massives Problem gegeben: Lediglich 25 Prozent der Teilnehmer hätten auf eine staatliche Umfrage reagiert, was Aussagen zu einem Experiment mit ohnehin schon wenigen Teilnehmern noch schwieriger einschätzbar macht.

Gegenüber dem Wirtschaftsportal businessinsider.de kommt Michael Stynes, CEO des gemeinnützigen Forschungsinstituts Jain Family, zu dem Schluss: „Bestenfalls ist es ein Test für ein sehr begrenztes Grundeinkommen in einem sehr spezifischen Kontext für einen bestimmten Teil der Bevölkerung.“

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