Grüße vom Mittelmeer: Dornfinger fühlt sich auch in rot-weiß-roter Fauna heimisch

Biss wirkt ähnlich wie Wespen- & Hornissenstich Verwandt mit Schwarzer Witwe und Braunspinne

Grüße vom Mittelmeer: Dornfinger fühlt sich auch in rot-weiß-roter Fauna heimisch

Nicht nur Sonnenhungrige fühlen sich in Südeuropa und im gesamten Mittelmeergebiet wohl, auch Spinnen sind dort heimisch, deren Biss für Menschen durchaus unangenehme Folgen haben können. Zu den bekanntesten Familien gehören laut Dr. Jürgen Gruber, Kurator der entsprechenden Sammlung im Naturhistorischen Museum in Wien, die Schwarze Witwe, Braunspinne und schließlich der Dornfinger.

Der im Mittelmeerraum beheimatete Dornfinger (Cheiracanthium punctorium), die giftigste Spinne der rot-weiß-roten Fauna, ist bereits seit Jahrzehnten auch in Österreich heimisch. Seine Verbreitung reicht bis Mitteldeutschland und sogar in Südschweden krabbeln sie schon herum. Ihre Bisse haben zuletzt in der Alpenrepublik für Aufregung gesorgt, wobei Gruber skeptisch ist, dass wirklich immer die bis zu 1,5 Zentimeter lange Sackspinne dafür verantwortlich ist: "Man sollte den Täter jedesmal 'verhaften' und zur Identifizierung bringen." Dies ist natürlich leichter gesagt als getan. Ärzte würden nach Ansicht des Experten Läsionen oft Spinnen in die Schuhe schieben.

Wirkung ähnlich wie bei Wespenstich
Der Dornfinger kann im Gegensatz zu anderen heimischen Arten mit seinen kräftigen Mundwerkzeugen die menschliche Haut durchdringen. Starke Schmerzen mit Lähmungserscheinungen sind die Folgen für die Opfer. Die Symptome können über Wochen anhalten. Die Bissstelle verfärbt sich in manchen Fällen blau-rot und schwillt an. Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen und sogar Erhöhung der Körpertemperatur sind möglich. Die Wirkung ist mit der eines Wespen- oder Hornissenstichs zu vergleichen.

Schlimmer als jener des Dornfingers ist ein Biss der Schwarzen Witwe, deren starkes Nervengift für Kinder gefährlich sein und bei Erwachsenen erhebliche Scherzen und Muskelkrämpfe bewirken kann. Vor der Mechanisierung der Landwirtschaft machten oft Erntearbeiter die unliebsame Bekanntschaft mit diesem Freilandtier, so Gruber.

Schwarze Witwe macht ihrem Namen Ehre
Die Schwarze Witwe (Malmignatte) ist eine kleine Spinne. Ihr Durchmesser - samt Beinen - beträgt rund vier Zentimeter. Die in Südeuropa vorkommende Art hat einen schwarzen Körper und rote Flecken auf dem Rücken. Ihren Namen erhielt die Art durch die unangenehme Angewohnheit der Weibchen, nach der Paarung oft das kleinere Männchen aufzufressen. Die Spinne lebt manchmal auch im Haus. Sie bevorzugt dunkle und kühle Orte.

Nekrotische Erscheinungen (Gewebezerstörend) bewirken die Bisse der 20 im Mittelmeerraum vorkommenden Loxosceles-Arten, auch Braunspinnen oder nach ihrem geigenförmigen Mal Violin spiders genannt. Die meist in braunen Tönen gefärbten Tiere erreichen eine Länge des Körpers (ohne Beine) von acht bis 15 Millimetern. Diese Hausspinnen sind zwar an und für sich unaggressiv, können aber durchaus zubeißen, wenn sie sich etwa in einem Pullover verkrochen haben und bedroht fühlen. Gefährlicher als diese in Europa heimischen Hausspinnen sind ihre Verwandten in Südamerika - was Bilder der scheußlichen Wunden beweisen, die im Internet zu finden sind.

Keine Angst müsse man hingegen vor der Kreuzspinne haben. Laut Gruber ist ihm in den vergangenen Jahrzehnten kein einziger Fall bekannt, dass Menschen in Österreich verletzt wurden. Die Folgen würden im schlimmsten Fall einem Bienenstich entsprechen. Generell versteht der Wissenschafter die Aufregung um Spinnen und den Dornfinger im speziellen nicht wirklich: "Der Bär Bruno ist tot - jetzt brauchen wir eben etwas anderes."

(apa/red)