Grünes Urgestein war keine große Hilfe:
Spitzenkandidat Werner Kogler im PORTRÄT

Vom angepeilten Ziel Landesrat meilenweit entfernt Zukunft von Langzeit-Parlamentarier nach Wahl offen

Grünes Urgestein war keine große Hilfe:
Spitzenkandidat Werner Kogler im PORTRÄT © Bild: APA/Schlager

Der Start als steirischer Spitzenkandidat erfolgte unter schwierigen Bedingungen: Fünf Monate vor der Wahl sprang der gewählte Listen-Erste ab und Werner Kogler (48) als Nothelfer ein. Wirklich ausgezahlt hat es sich nicht, den Promi aufs Land zu schicken. Zwar können die Grünen ein wenig zulegen, vom Ziel Landesrat ist Kogler jedoch meilenweit entfernt.

Ohnehin sieht sich der leutselige Kogler nicht unbedingt als Mann an der vordersten Front. Er selbst formulierte noch heuer im Sommer, als er längst als Spitzenkandidat feststand: "Ich bin eine klassische und brauchbare Nummer zwei und eher nicht geeignet für die ganz allererste Reihe."

Der "Vize" von Bundessprecherin Eva Glawischnig gilt als grünes Urgestein und Polit-Profi vor allem in Wirtschaftsfragen. Nach den schwachen Ergebnis von 2005 und dem mäßigen Abschneiden der Öko-Partei bei den vergangenen Wahlgängen sollte er in seiner alten Heimat die Kastanien aus dem Feuer holen - gegen den Trend der Grünen. Im Wahlkampf konzentrierte es sich darauf, seine Partei als die konstruktive dritte Kraft zu positionieren, die den Stillstand in der Proporzregierung aufbrechen könne. Das interessierte die Steirer offenbar nicht über die Maßen, sie wählten die FPÖ und nicht die Grünen zur "Königsmacherin".

Der am 20. November 1961 in Hartberg geborene Kogler studierte Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften und war in den 1980er Jahren Gründungsmitglied der Alternativen Liste Steiermark und Österreich. Von 1985 bis 1988 war der heute 48-Jährige Gemeinderat in Graz. Seit 1999 sitzt er im Nationalrat, ist Leiter des Rechnungshofausschusses, Budget- und Finanzsprecher seiner Partei sowie auch Glawischnigs Stellvertreter im Parlamentsklub. Hervorgetan hat sich Kogler unter anderem als scharfer Kritiker von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und bemühter Aufdecker von Missständen, etwa im Bankenausschuss.

Griffige Sprachbilder als Markenzeichen
Kogler gilt als pragmatischer Realo, guter Verhandler und Vielredner. Im Parlament meldet sich Kogler gerne zu Wort, auch in Interviews bemüht er sich, möglichst viele Botschaften, in griffigen Sprachbildern verpackt, in kurzer Zeit unterzubringen.

Der von Berufswegen zwischen der Steiermark und Wien pendelnde Kogler - er ist ledig und hat keine Kinder - musste in seinem Heimatbundesland nach der verlorenen Wahl 2005 schon einmal in die Bresche springen und die Funktion des Landessprechers übernehmen. Im April d.J. musste er dann noch den kurzfristig abgetretenen Spitzenkandidaten, den Kabarettist Jörg-Martin Willnauer, als Nummer eins ersetzen. Ob er auch nach dem Verpassen des Landesrats dauerhaft in die Steiermark wechselt, bleibt abzuwarten.

(apa/red)