Einspruch von

Der Letzte dreht das Licht ab?

Renate Kromp © Bild: Ian Ehm/News

Bei den Grünen haben nach dem Schock des Wahlsonntags die Aufräumarbeiten eingesetzt. Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek nahm die Verantwortung auf sich und trat aus allen Ämtern zurück. Ein Akt politischer Haltung, wie sie die profunde Europaparlamentarierin in ihrer Karriere lang vorgelebt hat.

Die Restgrünen geben sich einer letzten Hoffnung hin: Gleich der FDP in Deutschland könnte die Partei bei der nächsten Nationalratswahl, spätestens 2022, das Comeback schaffen. Vielleicht sogar gestärkt, weil grünen Wählerinnen und Wählern jetzt klar wird, dass strategisches SPÖ-Wählen nicht immer grad noch einmal gut für die Grünen ausgeht. (So wie 2015 in Wien, als Michael Häupl mit der Schauergeschichte, die FPÖ liege gleichauf, grüne Stimmen gefischt hat.) Projekt "Politische Auferstehung" also. Leicht wird das nicht. Da ist zunächst der Braindrain, der mit dem Verlust des Parlamentsklubs stattfindet. Da landen nicht nur 21 Abgeordnete, die großes Fachwissen vorzuweisen hatten, im Ausgedinge, sondern auch rund 100 Mitarbeiter, die die Grünen getragen haben. "Die Bundespartei" der Grünen brachte von sich aus kaum politische Inhalte auf die Tagesordnung. Diese Agenda verfolgte "der Klub". Das heißt: Mit Themen durchzukommen wird jetzt noch schwieriger.

Zweites Problem: die Finanzen. Nach dem Bundespräsidenten-und dem Nationalratswahlkampf sitzen die Bundes-Grünen auf einem Schuldenberg. Sie bekommen eine Wahlkampfkostenabgeltung von rund 500.000 Euro, müssen aber einen Sozialplan und Abfertigungen für Mitarbeiter finanzieren. Die Landesorganisationen können nur bedingt einspringen. Laut dem Parteienfinanzexperten Hubert Sickinger verbieten Gesetze in Vorarlberg und Salzburg, dass Landesparteiförderungen in die Bundespartei umgeleitet werden. Zudem haben die Grünen in Niederösterreich, Salzburg, Tirol und Kärnten Wahlkämpfe zu schlagen. Und dort dürfen sie nicht scheitern, soll das Projekt Auferstehung nicht gleich vorbei sein.

Das dritte Problem heißt auch diesmal: Peter Pilz. Er bleibt mit seiner eigenen Liste im Parlament und kennt sich im Klima-und Umweltschutz aus, auch wenn er vor allem als Antikorruptionsexperte wahrgenommen wird. Würde Politik auf Kosten der Natur gemacht werden, wird er sich wohl zu Wort melden. Und dann werden viele Grün-Sympathisanten das Gefühl haben, für ihre Anliegen sei gesorgt.

Wollen die Grünen ihre Restchancen nützen, müssen sie sich dennoch auf ihre Kernkompetenz zurückziehen: Umwelt-und Klimaschutz. Denn die Auswirkungen der Erderwärmung spüren viele und machen sich Sorgen, egal ob sie sonst ideologisch links oder rechts stehen.