"Großzügige" Geste von Innenministerium: Iranerin darf krankem Bruder Leben retten

Sichtvermerk nach langer Ungewissheit ausgestellt Leukämie: Gesundheitszustand verschlechtert

Die Schwester eines Iraners, der schwer an Leukämie erkrankt ist und im Salzburger Landeskrankenhaus Salzburg eine Chemotherapie erhält, darf nun nach Österreich. Sie hatte die Einreise vor einiger Zeit beantragt, weil sie ihrem Bruder als Einzige das lebensrettende Knochenmark spenden kann. Jetzt wurde ihr der Sichtvermerk ausgestellt, sagte Rudolf Gollia, Sprecher des Innenministeriums.

Nun sei die Information, dass der Sichtvermerk bewilligt werde, vom Innenministerium an die österreichische Botschaft in Teheran ergangen. Der Beweggrund, sofort zu handeln, sei der Gesundheitszustand des Mannes gewesen, der sich stark verschlechtert habe, erzählte Gollia.

Eigentlich war der Iraner nur zu Besuch bei seiner anderen Schwester in Salzburg und wollte Mitte November des Vorjahres wieder zu Hause im Iran sein. Dann kam alles anders: 14 Tage vor seiner Heimreise bekam der 30-Jährige starke Schmerzen. Die Ärzte im Landeskrankenhaus Salzburg diagnostizierten eine akute lymphatische Leukämie. Seit 1. November liegt er auf der Isolierstation des Krankenhauses und erhält eine Chemotherapie.

Das Einzige, was ihn noch retten könnte, ist eine Knochenmarktransplantation. Anfang Jänner stand fest, dass es zwar in Österreich keinen passenden Spender gibt, jedoch in Teheran, wo eine weitere Schwester des Mannes lebt, berichteten die "Salzburger Nachrichten" am Wochenende. Sie hatte auch schon den Visums-Antrag gestellt gehabt, aber bisher ohne Erfolg.

Behandelnder Arzt erleichtert
Er sei froh, dass es nach der Aufregung der vergangenen Tage zu einer medizinisch vernünftigen und humanitären Lösung gekommen sei. Das erklärte der Salzburger Onkologe Richard Greil, Arzt des betroffenen Iraners. Eine Transplantation von Knochenmark sei für den Mann die einzige Chance auf Heilung, sagte Greil.

Nachdem der Patient die erste Phase der Therapie relativ gut überstanden habe, gebe es mit einer Transplantation von Knochenmark eine 60-prozentige Wahrscheinlichkeit auf vollständige Heilung, sagte der Onkologe. "Das ist sehr viel für eine solche Situation." Greil glaubt, dass für die weitere Behandlung eine Aufenthaltsdauer von sechs Monaten notwendig sein wird.

In der vergangenen Woche hat der Patient eine starke Chemotherapie erhalten, um den bösartigen Tumor im Knochenmark zu bekämpfen. Die normale Blutbildung sei in dieser Phase massiv zurückgedrängt, das Immunsystem funktioniere nicht, der Patient habe deshalb ein hohes Infektionsrisiko. Deshalb befinde er sich in einem Spezialtrakt des Krankenhauses, in dem extreme Vorsichtsmaßnahmen gelten, um Ansteckungen zu vermeiden. Eine Abschiebung in so einer Phase der Behandlung komme einem Todesurteil gleich, machte Greil deutlich. Diese Woche gehe es dem Iraner etwas besser, die Blutbildung im Knochenmark erhole sich. "Wir haben ein Zeitfenster gewonnen, in dem eine Knochenmarktransplantation möglich ist", berichtete Greil. Die Kosten für die Transplantation bezifferte er auf rund 50.000 Euro. Die Versicherung knüpfe eine Übernahme der Aufwendungen an eine bestehende Aufenthaltsbewilligung.

Komme es zu keiner Transplantation, sinke die Heilungschance des Patienten gegen Null, stellte der Mediziner klar. Nach Vortests dürfte die im Iran lebende Schwester für eine Knochenmarkspende in Frage kommen. Wenn sie in Österreich eintreffe, werde sie erneut getestet. Passe das Knochenmark der Frau tatsächlich, dann sollte in den nächsten fünf bis sechs Wochen eine Transplantation erfolgen. Weil es sich bei einer allogenen Stammzellentransplantation um eine Spezialtherapie handle, für die es keine entsprechenden Einrichtungen in Salzburg gebe, habe man das Allgemeine Krankenhaus Wien kontaktiert, berichtete der Salzburger Mediziner.

Empört ist Greil über das ursprüngliche Vorgehen der Behörden in diesem Fall. Er sei seit 25 Jahren als Onkologe tätig, aber so eine Vorgangsweise habe er noch nie erlebt. "Medizin spielt sich vor einem sozialen Hintergrund ab, es braucht immer ein menschliches Maß", sagte Greil.

(apa/red)