Großteil der Opfer in Burma nicht versorgt:
100 Tonnen Saatgut werden noch benötigt

Schwere Hungersnot im ganzen Land wird befürchtet Hilfe trotz schwierigster Bedingungen angelaufen

 Großteil der Opfer in Burma nicht versorgt:
100 Tonnen Saatgut werden noch benötigt

Bis zu 133.000 Todesopfer forderte der Wirbelsturm "Nargis", der vor rund vier Wochen in Burma gewütet hatte. Nach UN-Angaben sind rund 2,5 Millionen Menschen im Irrawaddy-Delta auf Versorgung angewiesen. Drei Viertel der Opfer sind aber noch immer "mit wenig oder gar keiner Hilfe", sagte Peter Rottach von der Diakonie-Katastrophenhilfe bei einer Pressekonferenz. Derzeit sind 100 Tonnen Saatgut nötig, um eine Hungersnot im ganzen Land zu verhindern. Trotz der schwierigen Bedingungen sei die Hilfe aber angelaufen und werde kontinuierlich ausgeweitet.

Der verheerende Zyklon hat eine 100 bis 150 Meter breite Schneise durch das Irrawaddy-Delta geschlagen. Zusätzlich wurde die Region von einer drei bis vier Meter hohen Flutwelle heimgesucht. Die Situation sei eine "humanitäre Tragödie, wie wir sie uns nicht annähernd ausmalen können", berichtete Rottach, der rund drei Wochen in Burma im Kriseneinsatz war. Das größte Problem sei die Trinkwasserknappheit. Auch vor der Katastrophe waren die Menschen darauf angewiesen, das Regenwasser in oberirdischen Teichen zu sammeln. Diese Sammelbecken wurden nun überflutet und versalzen, wodurch die Durchfall- und Austrocknungsgefahr steigt. Oberste Priorität bei der Hilfe hat nun die Verteilung von Plastikkanistern.

Die Menschen, denen die Flucht nicht gelungen ist, leben momentan von den Lebensmitteln, die sie aus ihren zerstörten Häusern bergen konnten. "Viele sind auf natürliche oder künstliche Erhebungen geflüchtet und teilen sich den Platz dort zum Teil mit sehr giftigen Schlangen", schilderte Rottach. Der Bürgermeister eines betroffenen Dorfs soll gesagt haben, er hoffe auf Regen, damit die Leichen und Tierkadaver ins Meer geschwemmt werden.

Katastrophenhilfe
Momentan gebe es drei Arten von Katastrophenhilfe. Erstens die Versorgung der Opfer durch die Regierung, welche Zufluchtslager errichtet und Güter mit Lkws verteilt hat. Zweitens die private, inoffizielle Hilfe. Bürger aus Rangun fahren mit Kleinlastwagen in das Katastrophengebiet oder werfen Kleidung und Nahrungsmittel an den Hauptverkehrsrouten aus dem Auto, so Rottach. Diese Hilfe sei aber relativ unsystematisch und erreiche oft nur jene, denen die flüchten konnten.

Hilfe durch NGOs
Die dritte Art von Hilfe sei jene durch NGOs, die eine Lizenz zur Einreise in das Delta erhalten haben. Die Regierung verteile Genehmigungen nur an Organisationen, die schon vor dem Zyklon in Burma tätig waren. Die Diakonie-Katastrophenhilfe etwa hat an Ort und Stelle Partner, mit der sie bereits seit mehr als zwei Jahren Katastrophenprävention betreibt. Dadurch sei es möglich, gezielt "im großen Stil Hilfe zu leisten", sagte Rottach. Die Diakonie und ihre Partnerorganisation, deren Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden darf, konzentriert sich momentan auf eine 100 Quadratkilometer große Fläche am Südzipfel des Deltas. Dort werden in den nächsten Wochen mit Booten neun Hilfsgüter-Lieferungen im Wert von 300.000 Euro verteilt.

Saatgut benötigt
In einer zweiten Phase will man Saatgut in die Region schaffen. Das Zeitfenster dafür ist sehr eng, denn die Hauptanbauzeit steht bevor. Nach Berechnungen der Diakonie wären 100.000 Kilogramm Reis nötig, um eine Hungersnot im ganzen Land zu verhindern. Das Irrawaddy-Delta ist nämlich der "Brotkorb" Burmas und das Gros der dort ansässigen Menschen lebt vom Reisanbau, sagte Rottach. In weiterer Folge will man Regenwasser-Sammelanlagen aufbauen, denn die Trinkwasserknappheit in der Region sei virulent. Beim Wiederaufbau der zerstörten Schulen und Privathäuser "werden wir auf jeden Fall Katastrophen-Vorsorgeelemente berücksichtigen", meinte Rottach.

"Geschäft mit der Katastrophe"
Rottach berichtete außerdem vom "Geschäft mit der Katastrophe". In Rangun seien auf dem Schwarzmarkt bereits unzählige CDs mit Bildern aus dem zerstörten Gebiet erhältlich. Auch Schlepperbanden verdienen mit "Nargis" ihr Geld. Für horrende Summen schleusen sie Journalisten in das Irrawaddy-Delta ein.

(apa/red)