Gericht von

Oma-Mörder mit
Erinnerungslücken?

Gericht - Oma-Mörder mit
Erinnerungslücken? © Bild: APA/Eckl

Im Wiener Neustädter Mordprozess ist am Dienstagvormittag der 29 Jahre alte Beschuldigte befragt worden. Der zweifach einschlägig Vorbestrafte sagte, sich an eine Attacke auf die Großmutter nicht erinnern zu können. Auf Nachfrage seines Anwaltes hielt er es dann aber doch für möglich, in einem Zustand "unbegründeter Wut" gehandelt zu haben.

"Irgendjemand muss die Frau ja getötet haben", sagte Verteidiger Blaschitz bei der Befragung zu seinem Mandanten. "Wäre es ein mögliches Szenario, dass sie einen 'Schub' hatten und es doch waren, aber null Erinnerung daran haben?" Der 29-Jährige antwortete: "Das halte ich leider schon für möglich mittlerweile." Er könnte einmal mehr "Sachen für die Wahrheit gehalten haben, die keinen Bezug zur Realität haben" und dadurch aggressiv geworden sein, mutmaßte der Beschuldigte.

Zuvor hatte der Mann detailliert vom Verlauf des 22. März berichtet. Stunden, bevor die 75-Jährige attackiert wurde, habe er am Bahnhof Wiener Neustadt und im Zug Drogen zu sich genommen - "zwei Tropfen LSD und nachher dann zwei Lines Amphetamine", sagte der Angeklagte. Versprochen habe er sich davon "eine 'Gaude'", er sei mit Freunden unterwegs gewesen.

Tod "noch immer nicht" realisiert

Später sei er dann von einem Verwandten zu seiner Großmutter zurückgefahren worden. Am Abend habe er bei ihr etwas gegesessen, "zwei, drei Zigaretten geraucht", sich gegen 21.00 Uhr von der 75-Jährigen verabschiedet und anschließend das Haus verlassen. "Dann bin ich spazieren gegangen, nach Neunkirchen." Gelandet sei er schließlich am nächsten Tag in der Früh im Haus seines Vaters.

Den Tod der Großmutter habe er "noch immer nicht" realisiert, das Geschehen sei grausam. "Bei der Tatrekonstruktion habe ich das Bild der Oma gesehen und musste weinen." Das im Schlafzimmer der 75-Jährigen gefundene Schreiben habe er im Akt gelesen, mit dem Inhalt könne er aber nichts anfangen: "Das ist ein absoluter Blödsinn." Er selbst will den Brief nicht verfasst haben.

Zum späteren Opfer habe er ein sehr gutes Verhältnis gehabt. In der Phase, als er bei ihr nächtigte, habe die 75-Jährige stets seine Wäsche gewaschen und für ihn gekocht. Auch Unterstützung finanzieller Natur bekam der Angeklagte über längere Zeit hinweg: "Sie hat mir immer so zehn bis 20 Euro gegeben in der Woche, Zigaretten hat sie mir auch mitgebracht. Für mich als Mindestsicherungsbezieher war das super." Den Dank, "den sie verdient hätte", habe er ihr nie gegeben.