"Großes Zeichen der Hoffnung": Neue Münchner Hauptsynagoge feierlich eröffnet

Köhler ruft zum Einsatz gegen Rechtsextremismus auf

"Großes Zeichen der Hoffnung": Neue Münchner Hauptsynagoge feierlich eröffnet

Genau 68 Jahre nach den Pogromen der "Reichskristallnacht" sind in München eine neue Synagoge und das größte jüdische Gemeindezentrum Europas feierlich eröffnet worden. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sprach von einem "großen Zeichen der Hoffnung" und sagte: "Wir Juden sind wieder Teil dieses Landes." Bundespräsident Horst Köhler rief bei dem Festakt alle Deutschen zu mehr Engagement gegen Rechtsextremismus auf.

"68 Jahre nach der Zerstörung der Münchner Hauptsynagoge öffnen wir jetzt das Tor für die Heimstatt der Münchner Juden", sagte Knobloch am Nachmittag bei der Übergabe des Baus im Herzen der Münchner Innenstadt. Oberbürgermeister Christian Ude übergab Knobloch, die zugleich Münchner Gemeindepräsidentin ist, die Schlüssel für das Gotteshaus. Die Ohel-Jakob- oder "Zelt-Jakobs"-Synagoge wurde in dreijähriger Bauzeit nahe dem Marienplatz errichtet. Zusammen mit dem neuen jüdischen Kulturzentrum, Schule, Kindergarten und einem Museum ist es der größte jüdische Neubau in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Knobloch würdigte die neue Synagoge als großes Zeichen der Hoffnung. "Von heute an wird der 9. November nicht nur ein Symbol der Vergangenheit sein, sondern hoffnungsvoller Ausdruck des friedlichen Miteinanders für die Zukunft", sagte sie. "Heute könne wir der Welt zeigen, dass es Hitler nicht gelungen ist, uns zu vernichten." Die 4.500 ermordeten Münchner Juden seien heute mit dabei. Das Interesse der Bevölkerung, viele Spenden und Briefe zeigten, dass die Juden heute "nicht nur im Zentrum der Stadt, sondern auch im Herzen der Münchner angekommen sind". Knobloch fügte hinzu: "Wir sind da, wo wir hingehören."

Aufruf zum Einsatz gegen Rechtsextremismus
Bundespräsident Köhler nahm die Einweihung der Synagoge zum Anlass für einen Aufruf zu beherztem Einsatz gegen Rechtsextremismus. "Es kommt auf jeden Einzelnen an - immer", sagte er und kritisierte die mitunter halbherzige staatliche Unterstützung für entsprechende Initiativen. "Projekte und Initiativen gegen Extremismus und Gewalt müssen langfristig und kontinuierlich unterstützt statt nur sporadisch gefördert werden", forderte das Staatsoberhaupt. "Die Verpflichtung jedes einzelnen von uns ist es, sich einzumischen und zu handeln, um zu verhindern, dass Menschen wegen ihrer Religion, ihrer Herkunft oder ihres Aussehens beleidigt, verletzt oder gar ermordet werden."

Viele nähmen diese Verpflichtung ernst. "Sie brauchen aber mehr Unterstützung: von Nachbarn und Kollegen, von den Verwaltungen, von den politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen", mahnte Köhler. Die Auseinandersetzung mit Extremismus und Gewalt müsse stetig und umfassend geführt werden. Die neue Münchner Synagoge sei ein wichtiges Signal für die jüdische Gemeinschaft "und für die große Mehrheit der Anständigen in unserem Land, aber auch gegenüber denjenigen, die die Verbrechen des Dritten Reiches leugnen", fuhr der Bundespräsident fort. Jüdisches Leben schlage im Alltag in Deutschland neue, tiefe Wurzeln.

Der ebenfalls nach München gekommene SPD-Vorsitzende Kurt Beck nannte die Eröffnung der neuen Münchner Hauptsynagoge einen Grund zur Freude für alle Deutschen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble zeigte sich im Deutschlandradio Kultur erfreut über die Zunahme jüdischen Lebens in Deutschland. Der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, Rabbiner Israel Singer würdigte die neue Münchner Hauptsynagoge im Gespräch mit der AP als "Ort der Hoffnung". (apa/red)