Großer Manipulations-Skandal in Italien fortgesetzt: Funktionäre bestreiten Vorwürfe

Strategie der Verharmlosung. Vier Klubs droht Abstieg

Mehrere Hauptverdächtige im italienischen Fußballskandal haben vor dem Sportgericht in Rom alle Vorwürfe zurückgewiesen. Sowohl der ehemalige Chef des Fußballverbandes, Franco Carraro, als auch der Besitzer von AC Fiorentina, Diego Della Valle, und Lazio-Rom-Präsident Claudio Lotito bestritten am Mittwoch, Schiedsrichter und damit Spielergebnisse beeinflusst zu haben.

Der mutmaßliche Drahtzieher in dem Skandal, Ex-Juventus-Präsident Luciano Moggi, ist bisher noch nicht vor dem Gericht erschienen, das in einem Presseraum des römischen Olympiastadions tagt und noch vor dem WM-Finale am 9. Juli sein Urteil fällen will. Allerdings kommt das am vergangenen Donnerstag eröffnete Verfahren nur schleppend voran.

Am Dienstag hatte Staatsanwalt Stefano Palazzi drastische Strafen für die Vereine gefordert, die Fußballspiele über ein ebenso bösartiges wie raffiniertes System beeinflusst haben sollen: Juventus Turin sollen die letzten beiden Titel aberkannt werden, außerdem soll der 29-fache Meister mindestens in die dritte Liga versetzt werden. AC Milan, Lazio Rom und Fiorentina sollen in die zweiten Liga verschwinden. Allen Vereine drohen zudem Punktabzüge. Die angeklagten 25 Offiziellen - darunter Prominenz aus Spitzenklubs und Verband - sollen bis zu fünf Jahre lang keinerlei Fußball-Ämter mehr ausüben dürfen.

Carraro, der der ranghöchste unter den beschuldigten Funktionären ist, sagte vor dem Gericht über sein Verhältnis zu den Schiedsrichtern: "Ich habe sie immer gebeten, so wenige Fehler wie möglich zu machen und alle Mannschaften und Spieler gleich zu behandeln." Ankläger Palazzi hatte dagegen auf Mitschnitte von Telefongesprächen verwiesen. Sie zeigten, dass Fiorentina und Lazio die Ansetzung von Schiedsrichtern und Entscheidungen auf dem Spielfeld über ihre Kontakte zu Carraro und anderen Verbandsfunktionären beeinflusst hätten.

Diesen Vorwurf wiesen auch Florenz-Besitzer Valle und Lazio-Chef Lotito zurück: Beide gaben an, nur dann mit Offiziellen gesprochen zu haben, wenn sie sich als Opfer von Fehlentscheidungen gefühlt hätten. "Ich wies nur darauf hin, dass Lazio einige Ungerechtigkeiten erlitten habe, und Präsident Carraro räumte ein, dass es ein paar ungünstige Situationen gegeben habe", sagte Lotito. Der ehemalige Juve-Manager Antonio Giraudo hatte bereits am Dienstag erklärt, die Beziehungen zu Offiziellen des Fußballverbands und zu Schiedsrichtern seien rein persönlicher Natur gewesen. Staatsanwälte in Rom, Neapel, Parma und Turin führen in der Sache inzwischen auch strafrechtliche Ermittlungen.

(apa/red)