Großer Endspurt um die US-Präsidentschaft:
Kandidaten absolvieren Monsterprogramm

2 Mrd. Dollar: Teuerster Wahlkampf der Geschichte Obama warnt die Fans vor zu viel Siegesgewissheit

Großer Endspurt um die US-Präsidentschaft:
Kandidaten absolvieren Monsterprogramm © Bild: Reuters/Snyder

Zum Abschluss des bisher längsten und teuersten US-Präsidentschaftswahlkampfs ringen Barack Obama und John McCain bis zur letzten Minute um Wählerstimmen. Entgegen der Gepflogenheiten planten beide Kandidaten selbst für den Wahltag noch Auftritte. Im Endspurt vor dem Urnengang konzentrierten sie sich noch einmal auf Staaten, die den Ausschlag für das Wahlergebnis geben könnten. Der Wahlkampf hat bisher mehr als zwei Milliarden Dollar (1,57 Mrd. Euro) gekostet.

Der Republikaner McCain kämpfte gegen seine schlechten Umfragewerte mit einem Monsterprogramm: Er kündigte noch Auftritte in sieben Bundesstaaten an. Am heutigen Wahltag, will er noch in New Mexico und Colorado auftreten. Sein demokratischer Rivale Obama warnte am Sonntag in Ohio seine Anhänger trotz eines klaren Vorsprungs in den Umfragen vor zu viel Siegesgewissheit.

McCain rief in Miami (Florida) zum Durchhalten auf. "Meine Freunde, es ist offiziell: Nur noch ein Tag, bevor wir Amerika in eine neue Richtung führen", sagte McCain bei der Kundgebung am frühen Morgen. Seine Berater wiesen darauf hin, dass McCain schon oft aufgegeben worden sei und dann doch noch gesiegt habe. "Die Leute haben sich schon oft in ihm getäuscht", sagte der frühere Senator Fred Thompson.

Umfragen bestätigen diese Sicht nicht, denn alle landesweiten Erhebungen sehen Obama vorne. Reuters, C-Span und Zogby legten am Montag Zahlen vor, nach denen der Vorsprung des 47-jährigen Senators aus Illinois bei sieben Prozentpunkten lag bei einer Fehlerquote von 2,9 Prozentpunkten und zwei Prozent Unentschlossenen.

Obama selbst mahnte seine Anhänger davor, zu früh zu feiern. "Geht keine Sekunde lang davon aus, dass diese Wahl gelaufen ist", sagte er vor mehr als 60.000 Anhängern in Columbus im Bundesstaat Ohio. Bei einer Rede in Cleveland, wo Obama von dem Musiker Bruce Springsteen begrüßt wurde, sagte er vor 80.000 Zuhörern: "Wir können es uns nicht leisten, auch nur einen Tag, eine Minute oder eine Sekunde lang langsamer zu werden, uns zurückzulehnen oder nachzulassen."

In einem Gastbeitrag im "Wall Street Journal" forderte Obama am Montag seine Anhänger auf, das "nächste großartige Kapitel unserer Nation zu schreiben". "Das ist ein entscheidender Moment in unserer Geschichte", schrieb Obama in dem Artikel. "Wenn ihr mir Eure Stimme schenkt, gewinnen wir nicht nur diese Wahl - gemeinsam werden wir dieses Land und die Welt verändern."

Unterdessen schaltete die Republikanische Partei von Pennsylvania einen Werbespot, der auf die Beziehung von Obama zu seinem früheren Pastor Jeremiah Wright anspielte. Darin heißt es: "Barack Obama: Er wählte einen Mann zu seinem Pastor, der den USA die Schuld an den Anschlägen vom 11. September gab. Klingt das nach jemandem, der Präsident werden sollte?" Wright hatte im Sommer den Wahlkampf des Senators von Illinois in Schwierigkeiten gebracht, weil er die USA in Predigten als rassistisches und ungerechtes Land bezeichnet hatte. Obama distanzierte sich daraufhin von ihm. McCain selbst hatte zugesichert, die Beziehung Obamas zu Wright nicht zum Wahlkampfthema zu machen.

Die ersten Wahllokale öffnen heute gegen Mittag MEZ. Zwar schließen die letzten erst am Mittwoch gegen 7.00 Uhr MEZ. Die Ergebnisse in den einzelnen US-Staaten werden jedoch bekanntgegeben, sobald sie vorliegen. Zudem haben schätzungsweise ein Drittel der Wähler von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, vorzeitig ihre Stimme abzugeben. Das Ergebnis könnte daher bereits in der Nacht auf Mittwoch vorliegen.

(apa/red)